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Sappho (deutsche Aussprache: [ˈza(p)foː]; attisches Griechisch Σαπφώ, Sapphō, Aussprache (klassisch) [sapʰːɔ́ː]; * zwischen 630 v. Chr. und 612 v. Chr.; † um 570 v. Chr.) war eine antike griechische Dichterin. Sie gilt als bedeutendste Lyrikerin des klassischen Altertums und gehört zum Kanon der neun Lyriker. Sie lebte in Mytilene auf der Insel Lesbos, einem kulturellen Zentrum des 7. vorchristlichen Jahrhunderts. In ihren Gedichten spielt die erotische Liebe eine wichtige Rolle. Nach heutigen Schätzungen sind nur etwa sieben Prozent ihres Gesamtwerks erhalten geblieben.

Sappho, Griechische Briefmarke mit Text eines ihrer Gedichte

Sappho

Name

Hinsichtlich der Form und Bedeutung des Namens bestehen Unsicherheiten: Sappho nennt sich in ihren Texten selbst Ψάπφω, Psapphō, Aussprache (klassisch) [psápʰːɔː]. Eine ähnliche Schreibung begegnet nur auf einer schwarzfigurigen Hydria im Nationalmuseum Warschau (Inv. 142333), wo der Dichterin der (eventuell verschriebene) Name ΦΣΑΘΟ = Ψαθώ, Psathō beigeschrieben ist. Alle anderen antiken Autoren und Inschriften benutzen hingegen die heute gebräuchliche Form Σαπφώ, Sapphō. Dies gilt auch für Sapphos Landsmann und Zeitgenossen Alkaios, weswegen sich die unterschiedlichen Schreibweisen nur schwerlich als im Laufe der Zeit eingetretene oder dialektal bedingte Veränderungen erklären lassen. Unter Umständen begann Sapphos Name, der sich auf keine griechische Wurzel zurückführen lässt, mit einem im anatolischen Raum benutzten Zischlaut, der sich im griechischen Alphabet nur unvollkommen wiedergeben ließ und daher unterschiedlich transliteriert wurde.[1]

Sappho mit Ihren Schülerinnen hören einen poetischen Vortrag von Alkaios, Sir Lawrence Alma-Tadema 1881,

Leben

Das Leben der Sappho ist nur in späteren Legenden aufgezeichnet. Diesen zufolge entstammte sie einem alten mytilenischen Adelsgeschlecht und musste aus politischen Gründen nach Sizilien fliehen. Um das Jahr 591 v. Chr. kehrte sie nach Lesbos zurück und versammelte dort eine Gruppe von Schülerinnen um sich. Sie unterrichtete die jungen Frauen in musischen Fertigkeiten wie Poesie, Musik, Gesang und Tanz und trat mit ihnen bei Festen zu Ehren der Götter auf.

Es gibt Vermutungen, dass sie mit einem reichen Kaufmann (wahrscheinlich von der Kykladeninsel Andros) verheiratet war und eine Tochter namens Kleis hatte, deren Haar sie in einem Gedicht als „blonder als das Fackellicht“ beschreibt. Der Ehemann soll Kerkylas geheißen haben.[2]

Ins Reich späterer Legendenbildung muss auch die bereits bei Menander und bei Ovid vorausgesetzte Behauptung[3] verwiesen werden, Sappho habe sich aus unerwiderter Liebe zu Phaon von einem Felsen gestürzt. Da die mythische Tradition den mit göttlicher Schönheit ausgestatteten Phaon als Fährmann zwischen Lesbos und Kleinasien lokalisierte, dürfte nicht zuletzt die geographische Nähe zur Heimat der Sappho die Entstehung dieser Konstruktion begünstigt haben.
Werk
Charles Gleyre (1867)
Sappho geht zu Bett

Zum Werk der Sappho gehörten Götterhymnen, Hochzeits- und Liebeslieder, die in der Antike in neun Büchern gesammelt waren, heute jedoch alle verloren sind. Die Überlieferung muss sich daher auf Verweise und Zitate anderer Autoren oder auf Papyrusfetzen stützen. Bis heute konnten nur vier ihrer aiolischen Gedichte auf diese Weise mit hinreichender Sicherheit rekonstruiert werden. Eines der letzten davon wurde erst im Jahre 2004 bekannt, als die beiden Professoren Michael Gronewald und Robert Daniel vom Institut für Altertumskunde an der Universität zu Köln auf einem Papyrus, der als Mumienkartonage verwendet worden war, Teile davon fanden und zur Rekonstruktion einsetzen konnten. Das letzte hingegen wurde im Jahre 2005 entdeckt.

Sappho gilt als die bedeutendste Lyrikerin der Antike, besonders gerühmt wurde im Altertum ihre klare und ausdrucksstarke Sprache, durch die sie unter anderem zum Vorbild des römischen Dichters Horaz wurde. Auch Catull beeindruckten Sapphos Werke, so dass er sie sogar in seinen Gedichten zitierte (z.B. carmen 51, 62). Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod schätzte Platon ihre Lyrik so sehr, dass er Sappho als zehnte Muse bezeichnete.

Dass viele ihrer Lieder homoerotische Anklänge haben (Platon spricht später vom „pädagogischen Eros“) und sich auf die Liebe zwischen Frauen beziehen, lässt sich noch heute an den Bezeichnungen „lesbisch“ und etwas seltener „sapphisch“ erkennen, die für weibliche Homosexualität gebraucht werden. Weibliche Homosexualität war im antiken Griechenland also auch im öffentlichen Rahmen anzutreffen, aber nicht mit derselben positiven Bedeutung wie die männliche. Zumindest in Sparta war jedoch die lesbische Bindung ein Bestandteil der Erziehung.

Die vierzeilige Sapphische Strophe ist nach ihr benannt und geht vermutlich auch auf sie zurück.
Textbeispiele
ΔΕΔΥΚΕ ΜΕΝ Α ΣΕΛΑΝNΑ ...

Im aiolischen Dialekt des Altgriechischen:

Δέδυκε μὲν ἀ σελάννα
καὶ Πληίαδες· µέσαι δὲ
νύκτες, πάρα δ᾿ ἔρχετ ὤρα·
ἔγω δὲ μόνα κατεύδω

Untergegangen ist zwar der Mond
und die Pleiaden. Nachtmitte schon
und vorbei geht die Stunde.
Ich aber schlafe alleine.[4]
Aphrodite

»Lied auf der Scherbe«
„Aphrodite. Allmächtige komm vom Äther herab…
zu deinem Tempel. einst von Kretern erbaut.
Unter den Apfelbäumen des heiligen Hains.
als sie dir Opfer brachten auf den Altären.
schwelten damals der kühlenden Quelle entlang
Wolken von Weihrauch.
Immer noch rinnt das Wasser. von Zweigen beschattet.
zum Garten hinab und tränkt mir die Rosen der Laube.
wo ich voll Seligkeit, während sie lautlos entblättern, Kypris erwarte.
Drüben. dort auf der Weide tummeln sich Pferde.
grasen im Klee und in den reifenden Ähren.
Süßer Geruch von Blumen weht von der Wiese
hierher zu mir.
Göttin der Liebe! Empfange mein Blumengebinde.
Komm und erscheine uns. Fülle die goldenen Schalen.
mische mit Nektar den Wein und schenke uns eine
himmlische Freude.“

Ausgaben und Übersetzungen

Sappho: Lieder. Griechisch und deutsch, herausgegeben von Max Treu. 4., durchgesehene Auflage. Heimeran, München 1968.
Sappho. Strophen und Verse. Übersetzt und herausgegeben von Joachim Schickel. Insel, Frankfurt a.M./Leipzig 1978, ISBN 3-458-32009-1.
Sappho. Liebesgedichte. Ausgewählt von Marion Giebel. Ins Deutsche übertragen von Joachim Schickel. Insel, Frankfurt a.M./Leipzig 2007, ISBN 978-3-458-34945-7
Greek Lyric, Bd. 1, „Sappho and Alcaeus“. Hrsg. und übers. von David A. Campell. Harvard University Press, Cambridge, Mass./London 1982, reprint 2002 (Loeb Classical Library), ISBN 0-674-99157-5. (Griechisch – Englisch).
Griechische Lyrik in einem Band. Aus dem Griechischen übertragen und herausgegeben von Dietrich Ebener. 2. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1980.
Sappho. In: Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos. Ausgewählt von Mark Lehmstedt. Digitale Bibliothek, Band 30. 2. Auflage. Directmedia, Berlin 2000. (CD-Rom)
Sappho, Untergegangen der Mond, Lieder und Strophen, Ausgewählt aus dem Griechischen und neu übertragen von Michael Schroeder. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf 2006, ISBN 3-538-06318-4
E. Lobel/D. Page (1955): Poetarum Lesbiorum Fragmenta, Oxford.
D. Page (1955; 5. Aufl. 1975): Sappho and Alcaeus, Oxford.

Literatur

Andreas Bagordo: Sappho. In: Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike, Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-57673-7, S. 200–208
Paul Barié: Sappho und Archilochos. Zauber des Anfangs. Ursprünge der europäischen Lyrik, (Reihe: Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie, 27) Sonnenberg, Annweiler 2008, ISBN 978-3-933264-54-1
Page DuBois: Sappho is burning, University of Chicago Press, Chicago 1995, ISBN 0-226-16755-0
Marion Giebel: Sappho. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 978-3-499-50291-0
Peter Kuhlmann: Sappho. Die größeren Fragmente des 1. Buches Röll, Dettelbach 2003, ISBN 3-89754-198-X
Helmut Saake: Zur Kunst Sapphos. Motiv-analytische und kompositionstechnische Interpretationen, Schöningh, München 1971, ISBN 3-506-77401-8
Annegret Stopczyk-Pfundstein: Kap. Der weiblich verleiblichende Logos, S. 265-287, in Sophias Leib. Der Körper als Quelle der Weisheit, 2003, ISBN 3-8311-4316-1
M. Treu: Sappho, in: Pauly-Wissowa, „Realencyclopaedie der classischen Alterthumswissenschaften“ (RE), Supplement XI, 1968, Spalte 1222-1240
Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Sappho und Simonides. Untersuchungen über griechische Lyriker, Weidmann, Zürich ³1985, ISBN 3-296-16160-0

Belletristische Darstellungen

Tami van Dalen: SAPPHO „und dass ich dich lieben werde ...“, Thiasos, Heinrichshofen 2005, ISBN 978-3-9810614-0-6.
Joachim Fernau: Sappho. Ein griechischer Sommernachtstraum, Herbig, München/Berlin 1986, ISBN 3-548-25141-2.
Franz Grillparzer, Sappho. Trauerspiel in fünf Akten, Erstaufführung Burgtheater Wien 1818
Erica Jong: Sappho, Ullstein Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-550-08490-0.
Siegfried Obermeier: Sappho, Nymphenburger Verlagsanstalt, München 2001, ISBN 3-485-00885-0
Martha Rofheart: Ich heiße Sappho, Molden, München 1980, ISBN 3-217-00696-8.
Monique Wittig: Aus deinen zehntausend Augen Sappho. Amazonen Frauenverlag, Berlin 1984, ISBN 3-88171-005-1.

Weblinks

Literatur von und über Sappho im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
The Divine Sappho
William Harris’ „Sappho. The Greek Poems“ (PDF-Datei; 952 kB)
Sappho und ihre Dichtung in der Deutung von Wilamowitz bis Latacz (von Iris Kammerer; Ausschnitte aus einer wissenschaftlichen Arbeit mit Interpretationen der größeren Fragmente)
Gedichte und Fragmente auf griechisch und deutsch

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