ART

323) L. Cornelius Scipio. Die beiden auf ihn bezüglichen und zusammengehörigen Inschriften aus den Scipionengräbern sind zu verschiedenen Zeiten aufgefunden worden, daher befindet sich die poetische jetzt von der andern getrennt im Palazzo Barberini. Die ältere ist die nur rot aufgemalte L. Cornelio L. f. Scipio | aidiles, cosol, cesor; unabhängig davon und jünger sind die sechs Saturnier: honc oino ploirome cosentiont R[omai] | duonoro optumo fuisse viro | Luciom Scipione. filios Barbati, | consol, censor, aidilis hic fuet a[pud vos] | hec cepit Corsica Aleriaque urbe, | dedet Tempestatibus aide mereto (CIL I 31/2 = VI 1286/7 = Dessau 2. 3 = Bücheler Carm. Lat. epigr. I 5 nr. 6, vgl. Wölfflin S.-Ber. Akad. Münch. 1892, 192–194. 205f. 210f.; mit dem Anfang vgl. die ähnlichen Verse über A. Atilius Calatinus, Cic. Cato 61; fin. II 116 o. Bd. II S. 2081, unten Nr. 350, auch Norden Antike Kunstprosa I 178, 1). Jedenfalls steht diese Grabschrift als die älteste von den poetischen Elogien der Familie der Zeit des Scipio ziemlich nahe und ist daher eine durchaus glaubwürdige Quelle für sein Leben. Dass Scipio Sohn von Nr. 343 war, melden mit diesen Inschriften übereinstimmend Fasti Cap. und Acta triumph. zum J. 495, dagegen ist seine Bekleidung der curulischen Aedilität anderweitig nicht überliefert. Consul war er 495 = 259 mit C. Aquillius Florus (Fasti Cap. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Cassiod.). Während Polybios trotz der oft hervorgehobenen, den Scipionen freundlichen Tendenz seiner Darstellung seinen Namen überhaupt nicht nennt und nur auf die Ereignisse in Sardinien hinweist (I 24, 5–7), ist der Bericht des Zonaras VIII 11 besonders wichtig: Scipio segelte nach Corsica, nahm die Hauptstadt Aleria mit Gewalt ein und unterwarf mühelos die übrige Insel. Von hier wandte er sich nach Sardinien; [1431] eine karthagische Flotte kam in Sicht, zog sich aber vor der römischen ohne Kampf zurück. Darauf schickte sich Scipio an, Olbia zu belagern, dessen Hafen der einzige Italien zugewandte ist, aber nach einiger Zeit erschien eine überlegene feindliche Flotte, und er kehrte unverrichteter Sache heim. Die von Livius abhängigen Autoren haben die Erfolge Scipios in Sardinien nicht wenig übertrieben, dagegen die Einnahme von Aleria kaum beachtet (ausser Flor. I 18, 15f.); besonders ist darin eine offenbare Erfindung zu sehen, dass sie behaupten, Scipio habe Olbia wirklich erobert (Val. Max. V 1, 2. Flor. a. O., vgl. Frontin, strat. III 9, 4: L. Cornelius Rufinus [Irrtum des Autors] consul complura Sardiniae cepit oppida; III 10, 2 über die Einnahme einer ungenannten sardinischen Stadt). Sie heben ausserdem den tapfern Widerstand des karthagischen Commandanten von Olbia, Hanno, hervor (Liv. ep. XVII. Oros. IV 7, 11) und rühmen, dass der Consul diesem ein ehrenvolles Begräbnis zu teil werden liess (Val. Max. a. O. Sil. It. VI 671f.); Eutrop. II 20, 3 erwähnt noch die zahlreichen Gefangenen und den Triumph, den er nach den Acta triumph. de Poeneis et Sardin. Corsica feierte. Die Angaben des Elogiums sind also hier gegenüber der späteren verfälschten Geschichtschreibung ganz besonders einfach und zuverlässig; zwar ist ihr Schweigen von gewissen Unternehmungen nicht ohne weiteres als Beweis gegen deren Geschichtlichkeit zu betrachten, zeigt aber deutlich, dass sie keinen rechten Erfolg hatten (vgl. Mommsen CIL I p. 18. Nissen Rhein. Mus. XLI 486. Meltzer Gesch. der Karthager II 283f. 566f.). Eine Einzelheit aus dem Feldzuge, die die Historiker nicht erwähnen, lehrt die Weihung des Tempels der Tempestas kennen. Das Elogium erwähnt sie am Schluss, und Ovid. fasti VI 193f. begründet sie mit den Worten: cum paene est Corsis obruta classis aquis. Der Tempel lag in der Nähe der Porta Capena und der Scipionengräber. Die in beiden Grabschriften erwähnte Censur Scipios fällt ins J. 496 = 258, wo auch in den Fasti Cap. erhalten ist ... n. Scip[io].
[Henze.]

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