ART

202) P. Cornelius Lentulus war L. f. L. n. (f. Cap.) und demnach Sohn von Nr. 188. Im J. 582 = 172 wurde er nach Griechenland gesandt und bereiste mit Ser. Lentulus Nr. 208 den Peloponnes, um Bundesgenossen zu werben (Liv. XLII 37, 1. 3. 5. 7f., vgl. Appian. Mac. 11, 4). Im Anfang des Winters traf er in Argos mit Q. Marcius Philippus und A. Atilius zusammen und kehrte mit ihnen nach Rom zurück (Polyb. XXVII 2, 12; vgl. Liv. XLII 44, 8). Sofort bei der Eröffnung der Feindseligkeiten 583 = 171 erschien er wieder in Griechenland und übernahm mit nur 300 Mann italischer Bundesgenossen die Überwachung Boiotiens. Er begann sogar Haliartos zu belagern und trat erst nach dem Eintreffen des römischen Admirals, der die weiteren Operationen zu leiten hatte, zurück. Dies berichtet Liv. XLII 47, 12. 56, 3f., aber derselbe nennt auch einen P. Lentulus unter den illustres iuvenes, die damals den Consul P. Licinius Crassus ins Feld begleiteten (ebd. 49, 9). Man hat deshalb zwei verschiedene P. Lentuli unterschieden (Weissenborn z. d. St. Nissen Krit. Unters. 254), indes ist das unnötig. Es liegt nur ein geringfügiger Widerspruch zwischen dem über die Vorgänge in Griechenland sehr genau berichtenden und sehr gut unterrichteten Polybios und der an der zweiten Stelle benützten römischen Quelle vor, die nichts Näheres über die Teilnahme des Lentulus an dem Feldzuge wusste; Livius hat diesen Widerspruch nicht ausgeglichen; wir müssen seine zweite Angabe einfach fallen lassen. 585 = 169 war Lentulus mit P. Scipio Nasica Nr. 353 curulischer Aedil; sie liessen bei ihren glänzenden Spielen zum erstemnale africanische Raubtiere auftreten, für die bis zum Jahre vorher ein Einfuhrverbot bestanden hatte (vgl. Plin. n. h. VIII 64 combiniert mit Liv. XLIII 8, 2. XLIV 18, 8). 586 = 168 nahm Lentulus dann wieder am makedonischen Kriege teil und führte nach der Entscheidungsschlacht bei Pydna gemeinsam mit zwei anderen Gesandten die Verhandlungen mit König Perseus (Liv. XLV 4, 7). In einem der nächsten Jahre zwischen 587 = 167 und 590 = 164 war er Stadtpraetor; er erhielt als solcher den Auftrag, den Ager Campanus wieder vollständig zum Gemeindeland zu machen und dann als solches zum Besten der Staatskasse zu verpachten. Der erste Teil dieses Auftrags hatte zwei Seiten: der von Privaten occupierte Ager publicus sollte gegen eine Abfindungssumme wieder zu vollem Staatseigentum werden und der Privatgrundbesitz in derselben Gegend vom Staate angekauft und mit jenem vereinigt werden. Lentulus löste die schwierige Aufgabe zur Zufriedenheit aller Beteiligten mit grösster Unparteilichkeit (Cic. leg. agr. II 82. Licinian. p. 14 Bonn., vgl. Mommsen R. G. II 92; St.-R. II 195, 3. 435, 3. III 1114). Im J. 592 = 162 wurde Lentulus Consul mit Cn. Domitius Ahenobarbus an Stelle von P. Scipio Nasica Corculum Nr. 353 (s. d.) und C. Marcius Figulus, die wegen eines Fehlers bei der Wahl abdanken mussten (f. Cap. Idat. Licinian. a. O.). 598 = 156 weilte er an der Spitze einer römischen Gesandtschaft an den kleinasiatischen Königshöfen (Polyb. XXXII 28, 1. XXXIII 1,1). Seine Weisheit und Vaterlandsliebe werden vielfach gerühmt; er bethätigte sie [1375] besonders als Princeps senatus, welche Würde er seit 629 = 125 inne hatte (Cic. div. in Caec. 69; leg. agr. II 82; Phil. IV 14; Brut. 108; de or. I 211. Dio XLVI 20, 5; vgl. Marx Studia Luciliana [Bonn 1882] 59, 2). Seiner ganzen Gesinnung nach musste er zu den entschiedenen Gegnern der gracchischen Bewegung gehören; noch 633 = 121 kämpfte er trotz seines hohen Alters in den Reihen der Optimaten gegen C. Gracchus und trug dabei eine Verwundung davon (Cic. Cat. III 10. IV 13; Phil. VIII 14. Val. Max. V 3, 2f.). Valerius Maximus erzählt dies unmittelbar nach dem Ende des P. Scipio Nasica Serapio, des Gegners des Ti. Gracchus (Nr. 354) und berichtet in ganz ähnlichen Wendungen von beiden Männern, der Hass des Volkes habe sie veranlasst, unter dem Vorwande einer Legatio libera Rom zu verlassen, und sie hätten dann, Nasica in Asien und Lentulus in Sicilien, ohne Sehnsucht nach dem undankbaren Vaterlande bis an ihren Tod gelebt. Für Nasica steht das durch andere Zeugnisse fest, für Lentulus kann es aber der Rhetor leicht nach demselben Schema erfunden haben. Als Redner gehörte Lentulus zu den geachteten seiner Zeit (Cic. Brut. 108) und sprach noch um 630 = 124 in einem Processe gegen M’. Aquilius (Cic. div. in Caec. 69, vgl. o. Bd. II S. 324). Als Beweis seiner Uneigennützigkeit erwähnt Licinian. p. 14 Bonn. die geringe Mitgift, die er seiner Tochter mitgab. Sein Enkel war der Catilinarier P. Lentulus Sura Nr. 240, sein Sohn vielleicht Nr. 203.
[Münzer.]
Nachträge und Berichtigungen

202) Die Praetur des P. Lentulus gehört ins J. 589 = 165 nach der richtigen Bemerkung von Seidel Fasti aedilicii (Diss. Breslau 1908) 38, 3. Die Frage, ob er die Censur geführt habe, ist nicht sicher zu beantworten; Mommsen (St.-R. III 970, 2) nahm dies für 634 = 120 an, was nicht haltbar ist (vgl. Rh. Mus. LXI 20ff.), Cichorius (Untersuch. zu Lucilius 79ff.) für 631 = 123, was auch anfechtbar ist (vgl. Leuze Zur Gesch. d. röm. Censur [Halle 1912] 29ff.).
[Münzer.]

202) P. C. Lentulus, praetor urbanus im J. 165, cos. (suff.) im J. 162 v. Chr., Gegner der Gracchen. (K) S III.
[Hans Gärtner.]
Anmerkung (Wikisource)

Siehe auch Cornelius 202a.

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