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157) M. Cornelius T. f. Quir(ina) Fronto (so CIL VIII 5350 = Dessau 2928), vielbewunderter Rhetor und Redner des 2. nachchristlichen Jhdts., von Geburt ein Africaner (er selbst nennt sich Λίβυς τῶν Λιβύων τῶν Νομάδων 242 Naber; vgl. noch 122), aus Cirta in Numidien (200. Minuc. Fel. Oct. 9, 6. 31, 2. Niebuhr Ausg. 213, 3). Von seinem Geschlechte ist uns zuverlässig wenig bekannt. Dass seine Vorfahren väterlicherseits aus Italien stammten, ist wahrscheinlich (Niebuhr XX); dagegen beruht Mais Vermutung, dass seine Vorfahren mütterlicherseits in Chaironeia zu suchen seien, auf dem verworrenen Zeugnisse des Ioannes Saresberiensis, wonach unser Fronto ein Enkel des Plutarch gewesen sein soll. Verwandtschaftliche Beziehungen zu älteren Trägern dieses weitverbreiteten (Niebuhr XXXVIIf.) Namens bei Tacitus, Iuvenal, Martial, Plinius d. J., Dio Cassius u. a. – bei Aelian. de ordin. inst. 1 ist Φροντίνῳ zu lesen – und auf Inschriften (s. Borghesi Oeuvres III 380–385. Henzen Acta fratr. arv. 182. Teuffel-Schwabe 809. 856) lassen sich nicht nachweisen. Sein Vater hiess Titus (CIL VIII 5350). Eines Bruders (s. u. Nr. 297), mit dem er in schönster Eintracht lebte, gedenkt er selbst öfter; dieser wurde von Antoninus Pius zu den höchsten Ehren erhoben und hatte der Freundschaft mit Marc Aurel und Verus, unter deren Regierung er noch lebte, ein ruhiges, sorgenfreies Auskommen zu danken (32. 61. 71. 134, besonders 235). Frontos Geburtsjahr lässt sich nur annähernd bestimmen: Mommsen Herm. VIII (1874) 216 setzt es zwischen 100 und 110; [1313] gewöhnlich rückt man es bis in die Zeit Domitians oder Nervas herab (Niebuhr XX. Westermann 311. Mai 1815, X). Die Vermutung Mais, dass der junge Fronto in Alexandrien Studien gemacht habe, ist nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen; von dort beruft er vor Antritt seines Proconsulats familiäres nach Athen, denen er als viris doctissimis die Besorgung der griechischen Correspondenz übertragen will (169); in Alexandrien lernte er auch wohl den dorther stammenden Historiker Appian kennen, mit dem ihn vetus consuetudo et studiorum usus prope quotidianus verband (170. Priebe De M. C. F. imitationem prisci sermonis latini adfectante I, Stettin Progr. 1885, 3). Frühzeitig scheint er nach Rom übergesiedelt zu sein und dort seine Studien fortgesetzt zu haben. Unter dem Einflusse der damals vorherrschenden und vom Hofe begünstigten antikisierenden Geschmacksrichtung wandte er sich, über 22 Jahre alt, den Autoren aus der Anfangsperiode der römischen Litteratur in ernsthaftem Studium zu; bis dahin vixdum quicquam veterum lectionum attigeram 23. Bald wurde er der Stimmführer einer nach ihm benannten Schule von Antiquaren, der Frontoniani (Sidon. Apoll, epist. I 1, 2). Unter seinen Lehrern nennt er den alten (parens) Philosophen und Redner Athenodotos, von dem er ad exempla et imagines quasdam rerum, quas ille εἰκόνας appellabat, apte animo comprehendundas adcommodandasque unterwiesen worden ist (73. 115. 244), und den Rhetor Dionysios Tenuior d. i. ὁ λεπτός, der in ihm den Widerwillen gegen die Philosophie gepflanzt zu haben scheint (154, wo Novák für tenuior et schreiben will tenui arte; 244). Das Griechische trieb er weder intensiv noch dauernd, ja er schilt seinen Zögling Marcus, dass er griechisch schrieb (252); zwar schrieb auch er griechische Briefe, z. B. an die Mutter des Marcus, Lucilla, bat sie aber εἴ τι τῶν ὀνομάτων .... εἴη ἄκυρον ἢ βάρβαρον ἢ ἄλλως ἀδόκιμον καὶ μὴ πάνυ ἀττικόν nur auf den Gedanken zu sehen; οἶσθα γὰρ ὅτι ἐν ἄλλοις ὀνόμασιν καὶ ἄλλῃ διαλέκτῳ διατρίβω (242), und Marcus sollte ihm als a graecis litteris recentior Barbarismen aus seinen griechischen Briefen herauscorrigieren (24); dass er seine griechische Correspondenz während seines Proconsulates alexandrinischen Gelehrten übertragen wollte, ist eben gesagt worden. Als Lehrer der Beredsamkeit und Redner gelangte er früh zu grossem Ansehen. Um 136 war er nach Dio Cassius LXIX 18 der erste Sachwalter (causidicus nennt er sich 32; vgl. 193) Roms: ὁ τὰ πρῶτα τῶν τότε ἐν δίκαις φερόμενος. Als er, wahrscheinlich durch Krankheit veranlasst, die Absicht hat, von der Advocatur zurückzutreten, da schreibt ihm Marcus 252: nec tu consilium causarum agendarum dimiseris aut tum simul omnia ora taceant (vgl. noch 83. 201). Noch zum J. 165 (Abr. 2180) bemerkt Hieronymus Chron.: Fronto insignis orator habetur; dasselbe zum J. 164 Cassiod. Chron. Eine grosse Anzahl von Jünglingen aus den edelsten Geschlechtern hatte Fronto in seinem Hause (in contubernio, contubernales = Schüler, vgl. 180. 187. 170. 188) um sich und bildete sie für das Forum aus, so die beiden Söhne des Sardius Saturninus (der eine hiess Sardius Lupus, 180. 187), Aemilius Pius [1314] (179f.), Sextius Calpurnius Iulianus (170), den Sohn des Squilla Gallicanus (188), wahrscheinlich Faustinianus (177), Volumnius Quadratus (190f.), Montanus Licinius (175), seine Landsleute die Afrer Servilius Silanus (200; cos. 189. Teuffel-Schwabe 911) und M. Postumius Festus (201; dazu Mai bei Naber. Teuffel-Schwabe a. O.), seinen späteren Schwiegersohn C. Aufidius Victorinus aus Pisaurum (bes. 75. 96; cos. II 183, † 186. Teuffel-Schwabe 912). Fronto selbst spricht von einer secta 95. Überhaupt standen wohl alle Männer, welche damals als öffentliche Redner wirkten, mehr oder minder unter dem Einflusse Frontos, so besonders auch der vielseitige Iulius Titianus (Sidon. Apoll, a. O. Niebuhr XXIII 5. Teuffel-Schwabe 911f.). Sein Haus war ein Sammelpunkt für die gelehrte Welt. Dort verkehrte u. a. auch der um etwa 30 Jahre jüngere Gellius, der, wenn auch nicht gerade Schüler, so doch aufrichtiger Verehrer Frontos war (XIX 8, 1. Kretzschmer De A. Gellii fontibus, Greifswalder Diss., Posen 1860, 103f.). Der Ruf der hervorragenden Lehrthätigkeit Frontos drang bis an den Hof, und so wurde ihm die Erziehung der nachmaligen Kaiser Marc Aurel und L. Verus übertragen. Da Fronto die Erziehung des Marcus in dessen pueritia (103) übernahm und Marcus im J. 121 geboren ist, so wird man den Beginn der Hofmeisterstellung Frontos nicht weit über 130 hinausschieben dürfen. Auf seine Thätigkeit als Prinzenerzieher nehmen die meisten Quellen, die über ihn berichten, vornehmlich Bezug, vgl. CIL XI 6334 = Dessau 1129. Dio Cass. LXXI 35. Hist. aug. Anton. philos. 2; Ver. 2. Auson. grat. act. ad Grat. imp. pro cons. VII 32f. p. 361f. Peiper. Eutrop. VIII 12. Hieron. de vir. ill. XXIV p. 22 Richardson; Chron. a. O. Cassiod. a. O. Während Fronto zu dem unnahbaren Mars Gradivus Dis pater Hadrian in kühler Zurückhaltung und Ehrfurcht kein rechtes Vertrauen fassen konnte, brachte er dem freundschaftlich entgegenkommenden Antoninus Pius die herzlichste Zuneigung entgegen (25f. 46. 56f. 87. 163ff. 226). Das Verhältnis zu den beiden Prinzen war ein geradezu zärtliches. Wohl tadelt er auch zuweilen (49. 53–55. 61ff. 78. 99. 252), in der Regel aber ergeht er sich in überschwenglicher Bewunderung ihrer Talente (z. B. 11f. 22. 96. 150) und triumphierender Freude über ihre Leistungen (z. B. 48. 54); seine oft überströmenden Gefühlsergüsse wollen unserem Geschmacke wenig zusagen (bes. 73f.; vgl. noch 27. 55. 85f. 88. 95). An den herangereiften Männern hing er mit derselben Hingabe wie an den Jünglingen; er hoffte – und seine Hoffnung täuschte ihn nicht –, dass ihre Erfolge ihm zugute kommen und unsterblichen Ruhm eintragen würden (102f. 119ff.). Die beiden Prinzen erwiderten die Liebe des Lehrers mit zärtlichster Anhänglichkeit, die auch nach ihrer Thronbesteigung ungeschwächt fortdauerte. Marcus erschöpfte sich geradezu in Bezeugungen schwärmerischer Verehrung, inniger Dankbarkeit, warmer Teilnahme an Frontos Schicksalen, besonders in bösen Tagen, und in masslosem Lobe der Leistungen Frontos als Lehrer und Redner (vgl. u. a. die Anreden suavissime, supra omnis res dulcissime 61, sogar mellitissime 70 und Stellen wie 3f. 5. 18. 27. 30. 47. 56. 60f. 67. 78. [1315] 252ff.). Selbst als er unter dem Einflusse des Stoikers Rusticus, einige 20 Jahre alt, (um 147) von den geistlosen und unbefriedigenden rhetorischen, poetischen und stilistischen Tändeleien sich losgerissen und der seit seinem zwölften Jahre (Hist. aug. Anton, philos. 2) genährten, durch Fronto unterdrückten Vorliebe für die Philosophie endgiltig zum Siege verholfen hatte (Marcus εἰς ἑ. I 7. 17. Fronto 68. 75f. 95f. 97. 150), bewahrte er dem alten Lehrer seine alte Zuneigung und Bewunderung (94. 101. 231) und zog ihn nach seiner Thronbesteigung, wo er öfter durch die Verhältnisse gezwungen wurde, Reden zu halten und Verfügungen zu schreiben, als Autorität zu Rate. Fronto beschränkte sich übrigens nicht auf das Unterrichten, sondern war in noch höherem Masse Erzieher, und gerade dieses Verdienst Frontos erkennt Marcus in seiner am Ende seines Lebens niedergeschriebenen Autobiographie I 11 an, während er des von Fronto genossenen rhetorischen Unterrichtes mit keiner Silbe gedenkt, ja den Göttern dankt, dass er durch sie vor grösseren Fortschritten in der Rhetorik bewahrt geblieben sei. Er bekennt, dass er von Fronto gelernt habe οἵα ἡ τυραννικὴ βασκανία καὶ ποικιλία καὶ ὑπόκρισις καὶ ὅτι ὡς ἐπίπαν οἱ καλούμενοι οὗτοι παρ’ ἡμῖν εὐπατρίδαι ἀστοργότεροί πῶς εἰσι (vgl. damit 49. 135. 176. 231). Über das Verhältnis Marc Aurels zu Fronto vgl. Boissier La jeunesse de Marc-Aurèle d’après les lettres de F., Revue des deux mondes LXXIV 1868, 671–698. Ernst Müller Marc Aurel in seinen Briefen an F., Gratulationsschrift d. Gymn. z. Ratibor 1869. Über das Verhältnis des Verus zu Fronto vgl. 101f. 106. 116. 132. 138.

Fronto hält amor honorque für das Erstrebenswerteste im Menschenleben 137. Beides ist ihm dank der Gunst der Kaiser in reichem Masse zu teil geworden. Satis abundeque honorum est, quos mihi cottidiano tribuis, schreibt er an Marc Aurel (Frg. bei Charis. 197 K.). Über seine amtliche Laufbahn vor dem Consulate erhalten wir genauen Aufschluss durch die Inschrift auf der von den Bewohnern von Gelma (Numidien) ihrem Patronus Fronto gestifteten Gedenktafel CIL VIII 5350 = Dessau 2928. Darauf wird er als triumvir capitalis, quaestor provinciae Siciliae, aedilis plebis und praetor bezeichnet. Da er unter Hadrian Mitglied des Senates war (25), muss er die Quaestur vor 138 bekleidet haben (also Geburt vor 113). Im J. 143 stieg er zum Consulate empor, das er während der beiden Monate Juli und August verwaltete (34. 243. Auson. a. O., vgl. ausserdem 32f. CIL XI 6334 = Dessau 1129. Dio Cass. LXVIII 1; das J. 143 gewinnt man aus dem Briefe an Marcus I 8 p. 23, wo sich Fronto als Consul an den damals 22jährigen Prinzen Marcus wendet). Auch ein Proconsulat war Fronto zugedacht worden; aus dem Briefe des Marcus 86 folgt, dass Fronto die Provinz Asia zugefallen war. Mommsen a. O. 212 setzt das Proconsulat um 157, nach Aubé (s. u. 74. 79) war Fronto designierter Nachfolger des Quadratus in der Verwaltung der Provinz Asia für das J. 155. Zur Übernahme des Amtes hatte Fronto bereits alle durch die Lage und Beschaffenheit seiner Provinz geforderten Vorkehrungen getroffen und allerlei Verbindungen angeknüpft (die [1316] Schilderung 169 entspricht genau den Überlieferungen des classischen Juristenrechts der Römer bezüglich dieses Gegenstandes, s. Dirksen Hinterl. Schriften I, Leipzig 1871, 252f.); da wurde er durch einen unerwarteten, heftigen Gichtanfall gezwungen, den Kaiser um Enthebung von dem übertragenen Amte zu bitten (169). Kränklichkeit zwang ihn auch, das Ehrenamt eines Patronus seiner Vaterstadt in Rom niederzulegen (200f. Niebuhr Ausg. 215, 1). Ausser Cirta vertrat er das obenerwähnte Gelma und gewiss noch manche andere africanische Stadt in Rom. Desgleichen nahm er die Interessen der Kilikier publice privatimque semper vor Pius war (169). Nicht blos Ehren, auch ansehnlichen Reichtum brachte ihm seine Thätigkeit als Prinzenerzieher, Sachwalter und Lehrer. Den Tag des Regierungsantrittes des Pius feiert er als Geburtstag seiner salus, dignitas, securitas (167); pauca petii, non pauca merui, sagt er in seiner Selbstcharakteristik 235. Freilich besass er nicht so viel, um aus seinen Mitteln neben den beträchtlichen Standesausgaben als Senator seinen Freunden nennenswerte Unterstützungen gewähren zu können (134, wo es heisst: nostrae res haud copiosae), und im Vergleiche zu den unermesslichen Reichtümern, die einzelne Römer damals aufhäuften, war sein Vermögen bescheiden, doch durfte er den hochragenden, von herrlichen Parkanlagen umgebenen Palast des Maecenas auf dem Esquilinus sein eigen nennen (23; einen geistreichen Vergleich zwischen den beiden Besitzern stellt an Hertz Renaissance u. Rococo 71, im Anschluss an Gell. XIX 10), und hatte vor, für denselben eine Badeeinrichtung herstellen zu lassen, die von den Architekten auf 300 000 Sesterzien (über 50 000 Mark) veranschlagt wurde (Gell. a. O.). Einer villa suburbana gedenkt er 178; ein Weingut (in Campanien? Eckstein) wird 67. 83. 118 erwähnt (als Liebhaber von Trauben bekennt er sich 182); auf Besitzungen in Africa schliesst Eckstein aus dem Briefe an Marcus V 34 (49) p. 86. Er war in langer, glücklicher Ehe verheiratet mit Gratia (= Κραττία in den griechischen Briefen), die in nahen Beziehungen zu Lucilla stand (27. 32. 137. 138. 242). Aus dieser Verbindung gingen sechs Kinder (kein Sohn 177. 232) hervor, von denen fünf in zartem Alter starben (232). Die einzige Tochter, die am Leben blieb, nach ihrer Mutter Gratia genannt (zuerst 36 erwähnt, dann öfter, bei Lucilla wohl gelitten 70. 86), vermählte Fronto seinem vortrefflichen Schüler, einem der angesehensten und tüchtigsten Männer der Zeit, C. Aufidius Victorinus (über ihn 21. 24. 75. 80. 90. 96. 112. 179. 181ff. 200. 232ff., er war als Studiengenosse des Marcus ziemlich gleichaltrig mit diesem, Hist. aug. Anton, philos. 3) und zwar gegen Ende der Regierung des Pius; denn in dem ersten Briefe, den Marc Aurel als Kaiser an Fronto schreibt 94, beglückwünscht er ihn zu der incolumitas filiae, nepotum, generi. Damals also, bald nach 161, hatte Fronto mehrere Enkel (vgl. auch 181). Ein Enkel, in Germanien, wohin Victorinus bald nach 161 als Legat abging, um gegen die Chatten Krieg zu führen, geboren, starb dort dreijährig, ohne dass der Grossvater ihn je gesehen hätte. Seinen Tod beklagt Fronto in de nepote amisso (236. 234. 137f.). Ein andrer [1317] Enkel, M. Aufidius Victorinus Fronto, wurde in Abwesenheit der Eltern im Hause Frontos erzogen (181f. 234). Der cos. 199 (M. Aufidius) Fronto auf der pisaurensischen Inschrift (CIL XI 6334 = Dessau 1129), der seinem Sohne M. Aufidius Fronto einen Grabstein mit Inschrift gesetzt hat, wird von Niebuhr XXV für einen dritten Enkel Frontos angesehen, Mommsen hält Identität mit dem zweitgenannten für wahrscheinlich. Der cos. 200 C. Aufidius Victorinus ist vermutlich ein jüngerer Bruder des cos. 199. Aus der Verbindung seiner Tochter Aufidia (Victorina?) mit einem Petronius gingen die Petronii (Aufidii) Victorini Vater und Söhne hervor, denen die von Henzen Bull. d. Inst. 1881, 51–56 veröffentlichte und besprochene pisaurensische Patronatsinschrift vom J. 256 gewidmet ist. Vielleicht ist der L. Cornelius L. fil. Quir. Fronto Probianus auf der zu Philippeville (Numidien) gefundenen Inschrift CIL VIII 7963 (218–222?) ein Verwandter unseres Fronto. Ein Leo, an den Sidon. Apoll. epist. VIII 3, 3 schreibt, hat unsern Fronto zum atavus, d. i. Stammvater. Über Frontos Familienverhältnisse vgl. Mommsen a. O. 209f. Henzen a. O., wo S. 54 ein Stammbaum der Familie zu finden ist. Kurz nacheinander (paucissimis mensibus) hatte Fronto seine Gattin († zwischen 166–169) und seinen Enkel verloren; zu dem tiefen Schmerze, den diese Verluste in seinem warm empfindenden Gemüte zurückliessen, kamen ungewöhnlich lange und heftige körperliche Leiden (137), die dem vom Alter gedrückten Manne das Leben noch unerträglicher machten (132). Schon früh wurde Fronto von Gichtschmerzen geplagt; Artemidoros, der unter Hadrian geschrieben hat, berichtet uns de somn. IV 22 Hercher von einer Behandlung des ἀρθριτικός Fronto. Bei Gell. II 26. XIX 10 empfängt Fronto (an erster Stelle als Consular), während er an Podagra leitet, Besuche von Freunden und führt mit ihnen gelehrte Gespräche. Seine eigenen detaillierten Krankheitsberichte beziehen sich auf die Zeit nach dem Consulate, und da besonders in Buch V die Klagen kein Ende nehmen, auf die Zeit nach 147. Fast kein Körperteil ist von der bösen Krankheit verschont; besonders sind es Hände, Füsse, Kniee, Nacken und Schulter, doch auch Rückgrat, Leisten- und Lendengegend, deren schmerzhafte Affection ihn am Arbeiten hindert, oft ans Bett fesselt und ihm schlaflose Nächte verursacht (45. 47. 71f. 78–84. 87–92. 99. 107. 132. 134. 137. 149. 167. 169. 182. 184. 190f. 222. 231f. 252; ein besonders starker Anfall 87f.). Trotz aller Gebrechen und schweren Schicksalsschläge (232) erreichte Fronto ein hohes Alter. Schon in dem Briefe, den er zu Beginn der Regierung des Marc Aurel, also bald nach 161, an ihn schrieb, spricht er von sich als von einem lebensmüden Greise (94f. sat vitae est), und einige Jahre darauf, nach dem Verluste des Enkels, tröstet sich der Greis damit, dass aetas iam prope edita et morti proxima (235) sei (vgl. ebd. in longo vitae meae spatio). Darnach sollte man annehmen, dass er kurz darauf aus dem Leben geschieden sei, und manches spricht anscheinend dafür, dass er Verus Tod († 169) nicht überlebt habe (Mai 1815, XLIXf. Schanz 76). Da jedoch in de orat. 161f. im Gegensatze zu den [1318] nummi antiqui von dem nummus Antonini aut Commodi aut Pii die Rede ist und vor 175 keine Münzen mit dem Namen des Kaisers Commodus, den allein Fronto gemeint haben kann, geschlagen worden sind, so gewinnt Mommsen 216 mit Recht als Terminus post quem das J. 175 und nimmt an, dass Fronto bis nahe an Marcus Tod 180 gelebt habe. Weshalb Aubé 91 den Tod Frontos zwischen 168 und 172 setzt, ist nicht ersichtlich. Dass wir über Verus Tod und die nachfolgenden Ereignisse bei Fronto keine Notiz finden, ist gewiss auffallend, erklärt sich aber aus der Lückenhaftigkeit der überlieferten Correspondenz (s. u.). Vermutlich für den toten Fronto beantragte Marc Aurel, wie sicher für den toten Rusticus, ein Standbild beim Senate (Hist. aug. Anton, philos. 2. 3).

Vor der Auffindung des Fronto-Palimpsestes durch Mai konnte man sich von der schriftstellerischen Bedeutung des Mannes aus seinen Werken weder ein richtiges noch ein vollständiges Bild machen. Denn die ihm vielfach zugeschriebenen, noch von Mai in seine Frontoausgabe aufgenommenen Abhandlungen de nominum verborumque differentiis (in dem einzigen Cod. Neapol. s. VII/VIII anonym überliefert; jetzt am besten bei Keil Gr. L. VII 517–532, vgl. Teuffel-Schwabe 894) und des Messius Arusianus Exempla elocutionum (in einigen Hss. dem Fronto zugeschrieben, aber mit Unrecht, wie schon die Zusammenstellung der excerpierten vier Autoren Terenz, Cicero, Sallust, Vergil zeigt; Keil Gr. L. VII 449. Teuffel-Schwabe 1088f.; mit ihnen identifiziert die elegantiae latinae des Fronto, die von Raphael Volaterranus unter den 1494 in der Bibliothek von Bobbio gefundenen Büchern aufgeführt worden sind, Niebuhr XXXIII) tragen fälschlich Frontos Namen, und die Fragmente aus seinen Reden und Briefen sind so unbedeutend, dass man aus ihnen auf Umfang und Wert der Schriftstellerei Frontos keinen Schluss ziehen konnte (Minuc. Fel. Oct. 9, 6f. Charis. 138, 11. 197, 3. 223, 8. 26 K. Rufinus 580 Halm aus Charisius, der Fronto zu einem Beispiele verwendet. Serv. Aen. I 409. VII 30. 445 [unser Fronto?]. 668. Consentius V 349, 15f. K.; die Citate bei Fulgent. expos. serm. ant. 35 p. 121 Helm [aus Apul. met. IV 33?] und Isid. orig. XV 2, 46 sind immerhin lehrreiche Belege für das Fortleben Frontos in späterer Zeit). Sie zeigen, da sie fast alle nur grammatische Notizen enthalten, dass Fronto von den Grammatikern der folgenden Jahrhunderte fleissig excerpiert wurde. Er wird ihnen, wie dem Gellius, der aus Frontos grammatischen Forschungen und Gesprächen einiges wenige uns aufbewahrt hat (II 26, XIII 29. XIX 8. 10. 13), als Autorität auf sprachlichem Gebiete gegolten haben. Das war alles, im übrigen war man für die Würdigung Frontos als Redner auf die Zeugnisse der Alten angewiesen. Natürlich durfte ein Mann, der zum Prinzenerzieher erkoren, von seinen fürstlichen Gönnern mit allen Ehren überhäuft, von Marc Aurel sogar eines Standbildes für würdig gehalten worden war, keine unbedeutende Persönlichkeit sein. Der Redner des im J. 297 in Trier gehaltenen Panegyricus auf Constantius (14 p. 141 Baehrens [Eumenius]) weist Fronto mit den Worten [1319] Romanae eloquentiae non secundum, sed alterum decus in der Rangordnung der Redner den Platz gleich nach Cicero an; in tanti te oratoris fastigium gloriosus attollis? liest man bei Ausonius a. O. in seiner 379 ebenfalls in Trier gehaltenen Dankrede an Gratian; bei seinem Zeitgenossen Eutropius heisst Fronto orator nobilissimus, wogegen das insignis bei Hieronymus und Cassiodor nicht viel besagen will; vgl. auch Sidon. Apoll, epist. VIII 10, 3. Vielfach wird er als Repräsentant einer besonderen Redeweise bezeichnet. Macrob. sat. V 1, 7 stellt neben das copiosum genus dicendi Ciceros, das breve Sallusts, das pingue et floridum des Plinius (und Symmachus) das siccum, quod Frontoni adscribitur (also von früheren Kritikern; vgl. auch § 5: tenuis quidam et siccus et sobrius amat quandam dicendi frugalitatem). Claudianus Mamertus (um 470) epist. ad Sapaudum rhet. 206 Engelbrecht empfiehlt in einer Reihe mit vorciceronianischen Schriftstellern, Chrysippus und Cicero den Fronto für die Aneignung von pompa, sein Zeitgenosse Apollinaris Sidonius spricht in einem Briefe an ihn IV 3, 1 von der Frontoniana gravitas neben dem pondus Apuleianum. Gravitas rühmt an Fronto auch Hieron. ep. 12 (an Rusticus), an einer Stelle, wo er ihn zusammen mit Quintilian, Cicero und Plinius nennt. Mit Plinius wird er auch noch bei Mart. Cap. V 114 Eyss. = 452f. Halm zusammengestellt. Wir sehen, eine ganze Reihe von Zeugnissen weist Fronto in der Geschichte der römischen Beredsamkeit einen Platz neben den gefeiertsten Rednern an. Entspricht der Fund Mais den durch diese Zeugnisse naturgemäss wachgerufenen hohen Erwartungen? Ehe wir diese Frage beantworten, müssen wir eine Besprechung der aufgefundenen Schriften vorausschicken. Wir folgen der Anordnung bei Naber. Die Sammlung wird eröffnet durch die

1) Correspondenz Frontos mit dem Thronfolger Marcus (epistularum ad M. Caesarem et invicem libri V, 3–93). Neben Freundschaftsbriefen beider Männer zum Ausdruck der Teilnahme an persönlichen und häuslichen Verhältnissen, Reiseberichten des Marcus und Empfehlungsschreiben Frontos finden wir auf den rhetorisch-sprachlichen Unterricht bezügliche Briefe enthaltend des Marcus Berichte über seine Lektüre und Stilarbeiten und des Fronto Ratschläge über angemessene Lektüre und Stilübungen und Urteile über des Marcus Reden und stilistische und poetische Versuche. Ein solcher stilistischer Versuch ist eine Declamation des Marcus gegen den Schlaf (9ff.), zu der er durch eine Rede des Fronto für den Schlaf angeregt worden ist, ein geschmackloses Machwerk, vor dem der hochbefriedigte Rhetor sich unter den anerkennendsten Ausdrücken verneigt. Eine deutliche Vorstellung von der Urteilslosigkeit Frontos auf litterarischem Gebiete gewinnt man aus IV 3 p. 61ff., vgl. dazu E. Müller 10. Von den Briefen dieser Sammlung fallen nach Mommsen a. O. die ersten vor Frontos Consulat, I 7. 8. II 1–4. 10. 11. 5–9 in die Zeit des Consulats, II 12–15. III ganz. IV 1–9 von Sept. 143 bis 145, IV 11. 12 ins J. 146, IV 13 146/147, V in die Zeit von 147–161 (V 51 p. 86 um 157).

2) Correspondenz Fron tos mit dem Kaiser Marcus [1320] (epistularum ad Antoninum imp. et invicem libri, 93–112), bestehend aus mindestens 5 Büchern, da Charis. 223, 28 ein fünftes Buch citiert. Vermutlich ist die Zahl noch grösser gewesen (Niebuhr 67). Erhalten sind der Anfang des I. Buches und der Schluss von II, ferner die bei Naber ,unter dem täuschenden Schein eines sog. II. Buches als epist. 1–11 zusammengestellten, wahrscheinlich teils dem II. teils einem späteren Buche angehörenden Reste‘ (Mommsen 199). Die Briefe fallen in die Zeit nach 7. März 161 (Regierungsantritt des Marcus). Ausser Bezeugungen treuer Anhänglichkeit auf beiden Seiten enthalten auch diese Briefe Urteile Frontos über die Lektüre und Beredsamkeit des Kaisers und Bitten desselben um neue Lektüre.

3) Correspondenz Frontos mit dem Kaiser Verus (epistularum ad Verum imp, Aurelium Caesarem et invicem libri II, 113 bis 138). Wir besitzen davon den Schluss des ersten Buches und den Anfang des darauf folgenden. Die Briefe gehören sämtlich in die Zeit des Verus als Kaiser 161–169. Die mit Sicherheit vorauszusetzende Correspondenz mit dem Prinzen Commodus ist ganz verschwunden. Ausser den üblichen Artigkeiten, die sich beide Briefschreiber sagen, enthält der Brief Frontos 113ff. hochinteressante Urteile über Stileigentümlichkeiten bei Künstlern, Dichtern (hierzu Hertz Philol. XXXIV 1876, 757), Geschichtschreibern, Rednern, Philosophen; ein anderer 119ff. giebt der freudigen Genugthuung Frontos Ausdruck, Lehrer zweier so hervorragender Redner, wie es die beiden Kaiser seien, gewesen zu sein (der Brief des Verus, auf den sich Fronto hier bezieht, ist nicht um 165 [Naber], sondern 163/164 geschrieben und war ein officieller Kriegsbericht in Briefform, litterae laureatae, s. Jordan Herm. VI 1872, 70f.); ein Brief des Verus endlich 131f. stellt Fronto für die von ihm auf Verus’ Wunsch zu schreibende Geschichte des Partherkrieges alles irgendwie verwendbare Material in Aussicht, seine Berichte an den Senat, seine Ansprachen an das Heer, die Protokolle über die Verhandlungen mit den Parthern, Pläne vom Kriegsschauplatze, Briefe seiner Generale, eigene Instructionsbriefe, die Specialrapporte der beiden Hauptführer Cassius Avidius und Martius Verus über die Sitten und Sinnesart der Parther; zum Schlusse giebt er Fronto Ratschläge über die Anlage des Werkes.

Die genannten drei Correspondenzen scheinen nach Mommsens Ausführungen 202ff. im wesentlichen chronologisch angeordnet zu sein; bezüglich des fünften Buches ad M. Caesarem bestreitet dies Schanz 78.

4) Rhetorische Specialcorrespondenz mit dem Kaiser Marcus, anscheinend in mehreren Büchern. Ein Titel ist nicht überliefert. Gemeinhin nennt man sie de orationibus. Hierzu gehört nach Mommsen 200 als integrierender Bestandteil das Stück, welchem Niebuhr den Titel de eloquentia gegeben hat (139–155; de orationibus 155–162). Dass die Correspondenz an den Kaiser, nicht, wie Mai wollte, an Marcus Caesar gerichtet war, geht aus 145 hervor: orbem terrae, quem vocalem acceperis, mixtum a te fieri? (Naber; vgl. auch 141f.). In [1321] dem Traktate de eloquentia nimmt Fronto die Beredsamkeit gegenüber der Philosophie nachdrücklich in Schutz und bemüht sich, den nach seiner Meinung zum Redner vorzüglich veranlagten und von ihm gründlich vorgebildeten Kaiser von der Notwendigkeit ihrer Pflege zu überzeugen, indem er ihm zugleich Fingerzeige zur Abstellung einiger stilistischen Mängel giebt. In der Abhandlung de orationibus bittet der um seinen Einfluss und Ruf besorgte Rhetor den Kaiser, wenn er ihn lieb hätte, die Beredsamkeit nicht zu vernachlässigen oder gar in verkehrter Weise zu pflegen. Eine verkehrte Pflege sieht er in dem Mischmasch der Nachahmung des alten Cato und des modernen Seneca. Gegen letzteren und Schriftsteller gleichen Schlages, durch deren Nachahmung des Marcus Stil gekünstelt, geschminkt, unrein und schwülstig zu werden drohe, zieht er schonungslos zu Felde und empfiehlt Marcus, zu den alten, echten Mustern zurückzukehren und sich einer angemessenen, natürlichen Ausdrucksweise zu befleissigen. Monetam illam veterem sectator (161). Der Tractat de orationibus hat Servius vorgelegen, wenn anders Naber zu 162 richtig vermutet, dass Serv. Georg. II 209 daraus die Stelle aus Sallust hist. I 15 K. entnommen hat.

5) Correspondenz mit Antoninus Pius (epistularum ad Antoninum Pium liber, 163– 171). Diese in der Form an den Briefwechsel zwischen Traian und Plinius erinnernde sehr kurze Correspondenz ist ziemlich vollständig erhalten. Brief 1 und 2 sind aus Frontos Consulatsjahr, Brief 8 motiviert die Ablehnung des Proconsulats in Asien (s. o.). Über den weitläufigen Brief 3 p. 164ff., in dem Fronto seinen bei Pius in Ungnade gefallenen, nun verstorbenen Freund Niger Censorinus in Schutz nimmt, vgl. Niebuhr Kleine Schriften II 63f.; auf denselben Fall beziehen sich Brief 4 und 7, die an die Adresse des Marcus Caesar und Gavius Maximus gerichtet sind. In Brief 5 beglückwünscht Fronto den Kaiser zum Gedenktage des Regierungsantritts, Brief 6 enthält des Pius gnädige Antwort. In Brief 9 endlich empfiehlt Fronto Appian für die Stelle eines Procurators (in Ägypten?).

6) Correspondenz mit Freunden (epistularum ad amicos libri II, 172–201), alles Briefe von (nicht auch an) Fronto. Sehr häufig schrieb Fronto an seine Freunde nicht, vgl. 186: nec quisquam est hominum Romanorum, qui rarius quam ego scripserit ad amicos aut rescripserit. Die überlieferte Sammlung hat sich bis auf den Schluss in leidlicher Vollständigkeit erhalten. Soweit sich die Briefe mit Sicherheit datieren lassen, stammen sie aus der Zeit der divi fratres. Buch I beginnt mit 10 Empfehlungsschreiben, darunter befindet sich ein griechisch geschriebener Brief 174 an einen Arzt Apollonides (s. Bd. II S. 119 Nr. 24 und 121 Nr. 33). Die übrigen Briefe sind fast durchweg nach den Empfängern geordnet, also nicht chronologisch. Hier begegnen uns auch Briefe an seinen Schwiegersohn Victorinus 179. 181ff.; voll gemütlichen Humors ist der Brief 181f, in dem der zärtliche Grossvater über sein bei ihm lebendes Enkelchen berichtet; von besonderem Interesse ist Brief 183 wegen des darin behandelten Erbschaftsfalles der Matidia (s. u.). Aus allen Briefen spricht eine warme Anteilnahme Frontos [1322] an dem Lose seiner Freunde, die er angelegentlichst seinen Gönnern und Freunden empfiehlt, zu Erfolgen beglückwünscht, im Missgeschicke tröstet, in ihren Studien nach Kräften fördert. Als Freunde Frontos lernen wir in dieser Correspondenz kennen: Claudius Severus (172–174; vgl. Bd. III S. 2868 Nr. 346), Comelianus Sulpicius (173f.; sehr eng befreundeter Redner, nach Naber derselbe, dem Phrynichos seine ἐκλογὴ ῥημάτων καὶ ὀνομάτων Ἀττικῶν widmete), den obengenannten Griechen Ap. Apollonides (174), Lollianus Avitus (cos. 144; ihm als Procos. von Asien empfiehlt er seinen brustkranken Freund Montanus), Montanus Licinius (175f., vermutlich Schüler Frontos), Aegrilius Plarianus (so Borghesi Arch. Ztg. III 1845, 110f. = Rhein. Jahrb. IX 1846, 211ff.; Cod. Accrilius; Legat und Procos. in Africa unter Pius, Gönner besonders der Philosophen 176f., vgl. Klein Rh. Mus. XXXI 1876, 639f.), Iulius Aquilinus (176f. Platoniker und Redner), Claudius Iulianus Naucellius (177. 185f. = 59f.? Cos. unter Pius CIL III dipl. 44 p. 886, Provinciallegat unter Marcus und Verus. Mommsen a. O. 205; vgl. Bd. III S. 2726f. Nr. 187. 188), Statianus (1771. Vater des folgenden), Faustinianus (177f., Schüler Frontos? = Faustinianus Cerellius Hist. aug. Sev. 13, 6? Philibert-Soupé 20), Avidius Cassius (178, angesehener Feldherr, später Usurpator † 175; Brief vom J. 165; über ihn Bd. II S. 2378ff.), Iunius Maximus (178, Tribun unter Avidius Cassius), Antoninus Aquila (179, beliebter Declamator, von Fronto seinem Schwiegersohne für eine Stelle als Lehrer der Beredsamkeit in Gallien [in Dorocorthoro Consent, a. O.?] empfohlen, wohl nicht identisch mit dem Grammatiker Gr. L. VII 525, 22; vgl. auch Bd. I S. 2571 Nr. 8), Passienus Rufus (179f.; Fronto empfiehlt ihm seinen jungen Schüler Aemilius Pius), (P.) Caelius Optatus (180, Legat von Numidien 166 n. Chr., Bd. III S. 1265 Nr. 30), Sardius Saturninus (180. 187f., Vater der oben genannten Schüler Frontos), Petronius Mamertinus (180; nach Niebuhr Ausg. 199 Vater des Schwiegersohnes des Kaisers Marcus, über den zu vgl. Hist. aug. Comm. 7, 5), Velius Rufus Senex (181; Mai dachte in seiner ersten Ausg. 1815, I 149 an den Schüler des Herodes Rufus bei Philostr. v. soph. II 17, später schwankte er zwischen dem bei Marcus εἰς ἑ. XII 27 erwähnten und dem von Commodus nach Hist. aug. Comm. 4 getöteten Rufus; Philibert-Soupé 26 macht sich die erste Vermutung Mais zu eigen), Praecilius Pompeianus (184f., Landsmann Frontos?), Valerianus (186; im Index der Briefe 189 Valerianus Clitianus, gemeinsamer Freund Frontos und des Claudius Iulianus Naucellius; identisch mit Valerianus in Hist. aug. Pertin. 12? Mai), Fulvianus (187 = 131?), Squilla Gallicanus (189, sein Sohn Frontos Schüler, nach Mai der Cos. 151), Ulpius (188; einen Bechtsgelehrten Ulpius Marcellus erwähnt Hist. aug. Ant. Pius 12, einen Feldherrn Ulpius Marcellus unter Commodus in Britannien Cass. Dio LXXII 8|, Volumnius Quadrates (190f., älterer Schüler? Niebuhr hält ihn für identisch mit dem jungen Quadratus, dem Marcus den ihm zustehenden Teil der mütterlichen Güter überlassen hat, Hist. aug. Ant. philos. 7; dieser Quadratus heisst aber nach Peter Mummius, nach Borghesi-Jordan Ummidius), [1323] Castricius (190. 163, wohl der Rhetor T. Castricius unter Hadrian, s. Bd. III S. 1776 Nr. 7), Cornelius Repentinus Contuccius (191, vielleicht der Vater des Hist. aug. Did. 3 erwähnten Stadtpraefecten und Schwiegersohnes des Kaisers Didius Iulianus), Fabianus (191, eng befreundeter Redner = Masticius Fabianus in Hist. aug. Sev. 13?), (C.) Arrius Antoninus (191–200; zwischen 161 und 169 der erste Iuridicus per Italiam regionis Transpadanae mit dem Sitze in Concordia in Venetien, damals noch sehr jung 192, 9. 194, 3. 198, 18. 199, 3; später von Commodus hingerichtet im J. 188; Fronto bittet ihn, in Sachen des Decurionats des über 70 Jahre alten, ihm befreundeten Volumnius Serenus eine Nachprüfung zu veranstalten, hierzu vgl. besonders Philibert-Soupé 34ff. Dirksen 246f., im übrigen Bd. II S. 1255 Nr. 13). Ausser diesen in der Correspondenz ad amicos erwähnten Freunden lernen wir aus Frontos übrigen Schriften als seine Freunde noch kennen seine Fachgenossen Antonius Iulianus aus Spanien (59. 60. Teuffel-Schwabe 896. Bd. I S. 2632 Nr. 66), Favorinus aus Gallien (215. Teuffel-Sehwabe 885f.), Herodes Atticus (60f. 111. 138. 244, mit dem Fronto nach anfänglichen, aus Eifersucht hervorgegangenen Reibungen schliesslich zu einem guten Einvernehmen kam; Teuffel-Schwabe 897), ferner den Historiker Appian (170. 244–251), den oben erwähnten Philosophen Rusticus (96), Gavius Clarus (133–135, praetorius, jünger als Fronto, mit ihm so innig befreundet, dass er ihm nächst seinem Bruder und Schwiegersohne am meisten vertraute), Niger Censorinus (164–167, den Fronto unter der Regierung des Pius beerbte; auf sein Begräbnis bezieht die Stelle 17, 2ff. Vahlen Naevius 7; vgl. auch Philibert-Soupé 22, 4), Gavius Maximus (167f., Praef. praet. unter Pius), Iulius Senex aus Mauretanien (169, engbefreundeter Feldherr), Sextus Calpurnius Iulianus (170, wohl älterer Schüler Frontos, vgl. Philibert-Soupé 22, 6), Saenius Pompeianus (86, vgl. Praecilius Pompeianus 184f.), Tranquillus (118f.), endlich allgemein Freunde in Alexandrien (169), in Kilikien (169), am meisten in seiner Heimat Numidien (169). Bei Gellius werden von den vorgenannten Männern als Freunde Frontos Favorinus (II 26) und Postumius Festus (XIX 13), ausserdem noch Sulpicius Apollinaris aus Karthago (XIX 13) und Celsinus Iulius aus Numidien (XIX 10) erwähnt.

7) Principia historiae, 202-210, eine Einleitung in die Geschichte des Partherkrieges (s. nr. 3). In Wahrheit ist die in sehr trümmerhaftem Zustande überlieferte Schrift ein sehr parteiischer Panegyricus auf Verus. Entsprechend den Weisungen seines Auftraggebers (132) malt Fronto die Verhältnisse vor Ankunft des Verus möglichst ins Schwarze, damit des Verus Verdienste um so heller erstrahlen. Die Parther erscheinen als der einzige von jeher gefürchtete und damals allein noch furchtbare Gegner Roms. Ihnen gegenüber stehen Heere, bei denen eine beispiellose Sittenverderbnis und unglaubliche Disciplinlosigkeit eingerissen sind. Bei dem ersten Anblicke des Feindes ergreifen sie feige die Flucht. Da galt es zunächst, dem völligen Verfalle der Disciplin zu steuern. Entgegen der geschichtlichen Wahrheit wird Verus als das vollendete [1324] Muster eines Feldherrn gezeichnet (207), an dessen streng militärischer Lebensweise sich das Heer emporrichtet. Die Zeichnung erinnert in vielen Zügen an die des Hannibal bei Livius, die wohl Fronto zum Modell gedient haben wird (Schwierczina Frontoniana, Diss. Breslau 1883, 32f.). Die von Verus bald nach seiner Ankunft den Parthern gemachten Friedensvorschläge werden natürlich (208) als ein Ausfluss seiner Milde und Fürsorge für die Soldaten dargestellt, nicht als Wirkung der Furcht, was sie thatsächlich waren (Nazarius Paneg. in Constant. 24, der nach Mais Behauptung Fronto gelesen hat). Auch sonst spielte Verus in dem Partherkriege eine ziemlich unrühmliche Rolle; trotzdem werden seine Verdienste weit über Gebühr erhoben, während die seiner Vorgänger Traian und Hadrian bewusst geschmälert oder verdunkelt werden (vgl. Niebuhr Kl. Schr. II 70f. Philibert-Soupé 72ff. Hauler Serta Harteliana, Wien 1896, 268; Philol. Versamml. Köln 1895, 84f.). Diesem gustum, das Fronto durch Marcus dem Verus zustellen liess, sollte nach Eintreffen des von Verus in Aussicht gestellten Materials eine ausführliche Bearbeitung, an die der Hofrhetor ex summis voluntatis opibus herantreten wollte, folgen (131f. 138. 202). Ob es dazu gekommen ist, lässt sich mit Sicherheit nicht entscheiden. Gewöhnlich nimmt man an, dass der Tod Fronto von der Last dieser Arbeit befreit hat. Da er jedoch bis nach 175 gelebt hat und sofort an die Arbeit gehen wollte, ist es immerhin möglich, dass er das Geschichtswerk geschrieben hat, es müsste denn der Tod des Verus ihn von seiner drückenden Verpflichtung entbunden haben. Lucian de conscrib. hist. 21 weist mit den dort angeführten Namen Saturninus, Fronto (vgl. auch 19 ἄλλος τις ἁοίδιμος ἐπὶ λόγων δυνάμει) und Titianus wahrscheinlich auf drei römische Darsteller des parthischen Krieges hin, braucht freilich nur die principia Frontos im Auge gehabt zu haben (Passow Lucian u. d. Geschichte, Progr. Meiningen 1854, 13, 2).

8) Laudes fumi et pulveris (211–214) und laudes neglegentiae (214–216). Diese einfältigen Übungsstücke – nugalia aus seiner Jugendzeit nennt er sie selbst 228 – schickt er mit einleitenden theoretischen Bemerkungen über die Behandlung solcher ἄδοξα an Marcus, der, wie wir gesehen haben (nr. 1), seinem Lehrer die Freude macht, ein ähnliches Machwerk zu schreiben. Sie gehören in dasγένος ἐπιδεικτικόν. In der griechischen Litteratur waren solche Themata von Polykrates an, der eine Lobrede auf die Mäuse, sowie auf Töpfe und Steinchen hielt, bis in die byzantinische Zeit hinein üblich (Volkmann Rhetorik² 316f.). Auf römischem Boden versuchte Fronto die Adoxographenlitteratur einzubürgern; vor ihm, bemerkt er ausdrücklich in der Einleitung 211, habe in römischer Sprache keine derartige nennenswerte Arbeit existiert; die Dichter der Komoedien und Atellanen hätten gelegentlich dieses Genre berührt. Xach den unbedeutenden Resten zu schliessen, brauchen wir den Verlust dieser Declamationen nicht zu bedauern. Immerhin von Wert und Interesse sind die theoretischen Vorschriften, die er in der Einleitung 211f. gegeben hat. Ganz anders wie in Gerichtsreden, wo Fronto sich geradezu bemühte, die Sätze [1325] zuweilen schroff und kunstlos zu schliessen (211), müsse man hier auf concinne und subtile Abrundung der Gedanken, auf Glätte und Feile in der Ausarbeitung sehen. Vor allem sei Anmut (suavitas) in der Diction anzustreben, weil es sich um facetiae et voluptas handele. Die anscheinend geringfügigen Gegenstände müssten amplificiert werden (so sind Fronto Rauch und Staub Gottheiten wie Winde und Wolken). Der höchste Vorzug dieser Gattung liege in der asseveratio d. i. in der ernsthaften Behandlung der ἄδοξα. An geeigneter Stelle sollten Beispiele aus der Mythologie und Sagengeschichte, passende Dichterworte oder Sprichwörter oder eigens erdichtete Erzählungen eingeflochten werden (also Anlehnung an das Chrieschema; was Fronto in der Theorie nur für das genus hidicrum verlangt, wendet er in der Praxis auch im Briefstile ziemlich fleissig an; vgl. über die Verwendung von Versen und Versteilen besonders Ehrenthal Quaest. Front., Diss. Königsberg 1881, 31ff.). Wesentlich endlich sei eine vernünftige Gruppierung der Argumente; alles Sprunghafte müsste aus der Beweisführung entfernt werden. Die auf den Ausdruck bezüglichen Bemerkungen Frontos sind lückenhaft überliefert; als Muster schweben ihm für ein dulce incorruptum ac pudicum Cato und Herodot vor (213). Über die behandelten Themata vgl. Boissier 684f.

9) De hello Parthico 217–222 aus dem J. 161/162. Dies rhetorische Übungsstück ist ein Antwortschreiben Frontos auf einen Brief des Marcus, in dem dieser anschliessend an die Mitteilung von der Niederlage, die seine Heere (vor der Expedition des Verus) durch die Parther erlitten hätten, schreibt, er könne vix quicquam nisi raptim et furtim legere prae curis praesentibus. Fronto sucht den gedrückten Kaiser aufzurichten; er erinnert ihn an die grossen Niederlagen, die das Rom der Republik durch alle Jahrhunderte erlitten habe, an die schweren Schicksalsschläge, die das eigene kaiserliche Haus von Traian an betroffen hätten, und erhebt sich zu dem allgemeinen Gedanken: haudquaquam utile est homini nato res prosperas perpetuo evenire; fortunae variae magis tutae. Nahe lag der Fall des Polykrates von Samos, dessen Erzählung der Rhetor, so bekannt er auch sein mochte, sich nicht entgehen lassen konnte. So wenig man im Glücke jubeln dürfe, so wenig dürfe man bei einem Misserfolge ermatten: victoriam brevi spera!. Inzwischen empfiehlt er dem Kaiser als geeignete Lectüre die vorzüglichste laudatio, die er in der griechisch-römischen Litteratur kenne. Ciceros Rede de imp. Cn. Pompei.

10) De feriis Alsiensibus 223-231. Marc Aurel brachte die Ferien in Alsium an der etrurischen Küste zu. In der aus vier Briefen bestehenden Correspondenz ragt der dritte weit heraus, in dem Fronto seinen kaiserlichen Herrn unter Berufung auf die Vorgänge in der Natur und die Lebensweise aller grossen Männer und besonders auch seiner Ahnen ernstlich ermahnt, während seines Ferienaufenthaltes in Alsium sich die für Körper und Geist nach angestrengter Thätigkeit so notwendige Ruhe zu gönnen und vor allem nichts am Schlafe zu kürzen. Daran knüpft er, da er zu einer vollständigen laus Somni sich [1326] nicht mehr fähig hält, in derselben Absicht die Fabel von der Erschaffung des Schlafgottes durch Iuppiter (vgl. über diesen Brief Boissier 695ff.).

11) De nepote amissa 231-236, bestehend aus einem kurzen Beileidschreiben des Marc Aurel an Fronto und einem langen Briefe Frontos an den Kaiser. Dieser Brief ist wohl der schönste, den Fronto je geschrieben. Der Grundton ist der Situation angemessen ernst und würdevoll; der Ausdruck im ganzen massvoll (vgl. jedoch Niebuhr Kl. Schr. II 69f.). Boissier 697f. nimmt Einfluss des Marcus auf den alternden Fronto an. Der Greis klagt die Vorsehung an, die ihm nach so vielen traurigen Erfahrungen eines langen Lebens den Schmerz des Verlustes eines Enkels nicht erspart habe. Er tröstet sich mit der Nähe des Todes, angesichts dessen er einen Rückblick auf sein vergangenes Leben wirft. Die nun folgende Selbstcharakteristik 235f. stimmt im ganzen zu dem Bilde, das wir uns aus sonstigen Äusserungen in seinen Schriften und gelegentlichen Urteilen anderer (vgl. namentlich Marcus εἰς ἑ. I 11) machen. Danach war Fronto ein ausserordentlich weich angelegter Gemütsmensch. Voll warmer Nächstenliebe (die er in Rom, wo man nicht einmal einen Ausdruck für das griechische φιλοστοργία habe, vermisste; vgl. 135. 176 und Marcus 231 und εἰς ἑ. I 11), nahm er ohne Rücksicht auf persönliche Vorteile oder Nachteile (saepe cum periculo capitis, dazu 165) an dem Wohl und Wehe seiner Freunde innigen Anteil (185) und half ihnen, so gut und so oft er konnte, ohne auf Dank zu rechnen oder gegenüber Undank empfindlich zu sein (vgl. die vielen Empfehlungsschreiben). Im Bewusstsein der eigenen Menschenwürde verschmähte er alle niedrigen und unlauteren Mittel zur Erreichung seiner Zwecke und wollte lieber missachtet sein und darben, als sich durch Verstellung, Heuchelei, Kriecherei (248. ἐρωτικός 255ff.) und Bettelei (249) Vorteile verschaffen. Wahrheitsliebe und Offenherzigkeit sind hervorstechende, von seinen Schülern besonders hoch geschätzte Züge seines Wesens (49. 130. 165. 167. 171. 182. 184. 243). Nur wo die φιλοστοργία mit der Wahrheitsliebe in Conflict gerät, da hält er ein Abweichen vom geraden Wege für erlaubt. Im Interesse eines Clienten vor Gericht hält er artificia sogar für geboten (52). Aus Liebe zu Verus fälscht er die Geschichte (s. nr. 7); im Interesse der Faustina, der Gattin des Marcus, verschmäht er in der Nachlassangelegenbeit ihrer Grosstante Matidia, mag er auch persönlich von Unregelmässigkeiten bei der Vollziehung des fraglichen Codicills überzeugt gewesen sein, weder die Gründe der Sophistik noch prüft er die bezüglichen Regeln des geltenden Rechtes mit Unbefangenheit (Dirksen a. O. 250f.). Die Lobeserhebungen, mit denen er seine Zöglinge nicht selten in überschwenglicher Weise überhäuft, gehen über das erlaubte Mass liebevoller Anerkennung hinaus, und Stellen, wie 98, wo er den Kaiser Marc Aurel als Redner feiert, streifen hart an Schmeichelei. Hier spielt freilich noch mehr als die Liebe zu seinen Zöglingen die zu seiner Kunst hinein. Er weiss sich eben vor Freude nicht zu fassen, wenn er seine Rhetorik geachtet sieht, wie er umgekehrt aus seinem Missmut und seiner Gereiztheit kein Hehl macht, wenn er sie bedroht [1327] oder gar verachtet sieht (145f. 150. 155). Aus derselben Eingenommenheit für seine Kunst sind bei dem sonst so bescheiden über das Mass seines Könnens und Wissens urteilenden Menschen (184. 239. 242) so selbstgefällige Äusserungen zu verstehen, wie 55: me vade, me praede, me sponsore, celeriter te in cacumine eloquentiae sistam. Noch sagt er uns in seiner Charakteristik, und wir wollen es glauben, dass er die Ausbildung des Geistes und die Aneignung von Wissen der Pflege des Körpers und dem Erwerbe äusserer Güter vorgezogen habe. Bescheiden in seinen Ansprüchen, entwickelte er keine verschwenderische Pracht, anderseits war er auch von Knauserei weit entfernt (s. o.). Dazu stimmt, dass er sich von Habsucht frei weiss (249). Anhangsweise sei erwähnt, dass er von klein auf viel Freude an Vögeln hatte (eine Liebhaberei, die sich auf seinen bei ihm lebenden Enkel forterbte, 182. 87), und dass ihn selbst Gichtschmerzen nicht hinderten, seinem Vergnügen an den Circusspielen nachzugehen.

12) Arion 237f. Fronto erzählt die ihm aus dem Herodot (s. nr. 8) wohl bekannte Geschichte von der wunderbaren Rettung des Arion durch einen Delphin. Dieselbe Geschichte erzählt viel genauer und ausführlicher unter Berufung auf Herodot Gellius XVI 19. Von einer Abhängigkeit des Gellius von Fronto kann bei den wenigen nur unwesentlichen Übereinstimmungen keine Rede sein (Kretzschmer a. O. 103f.).

13) Griechische Stücke 239–259. Die Sammlung enthält zunächst zwei Entschuldigungsschreiben an die Mutter des Marcus Lucilla aus der Zeit des Consulats. Es folgt nach einem verstümmelt überlieferten Trostbriefe vermutlich an Herodes Atticus (Niebuhr Ausg. 229, 9) ein Brief Appians an Fronto, in dem er ihn bittet, zwei Sclaven als Geschenk anzunehmen, unter Hinweis darauf, dass auch im öffentlichen Leben Geschenke anstandslos angenommen würden (δεῖ ἕπεσθαι τοῖς κοινοῖς τὰ ἰδιωτικά). In seinem langen, ablehnenden Antwortschreiben 246–251 widerlegt Fronto zunächst den vorstehenden Satz Appians und stellt sich dann, selbst wenn er den Satz gelten lassen wollte, die Frage, εἰ χρὴ μεγάλα καὶ πολλῆς τιμῆς ἄξια δῶρα παρὰ τῶν φίλων δέχεσθαι; er kommt zu dem Resultate, dass die Annahme grosser Geschenke von Freunden ein Zeichen von Unbescheidenheit, Gewinn- und Habsucht sei. Das letzte Stück, ein an Platons Phaidros anknüpfender ἐρωτικός an Marcus 255–259, in dem er seine ideale Liebe zu ihm der der ἐρασταί gegenüberstellt, wird eingeleitet durch zwei lateinische Briefe des Marcus (aus der Zeit von Frontos Consulat?).

Überblickt man den Fund Mais, so ergiebt sich, dass ausser einigen rhetorischen Prunk- und Übungsstücken, die der Correspondenz als Beilagen angeschlossen waren, nur Briefe von Fronto erhalten sind. Den Mittelpunkt der Correspondenz bildet der Hof und da wieder Marcus als Prinz und Kaiser. In der umfangreichen Correspondenz mit dem Hofe sind selbst geringfügige Billets zahlreich, in der verhältnismässig verschwindenden mit Freunden ist eine strenge Auswahl getroffen. Von wem die Sammlung zusammengestellt worden ist, ob von Fronto oder erst nach seinem Tode von seinen Freunden, lässt [1328] sich nicht bestimmen (Mommsen 201f.; vgl. für die Correspondenz Frontos und Marc Aurels ausser Boissier und Ernst Müller a. O. noch Crossley Hermath. V 1879, 67–91, auch in dessen Ausg. der Meditationen Marc Aurels, London 1882, und zur Chronologie ausser Müller noch Naber XX–XXX). Ebensowenig lässt sich sagen, ob neben dem Corpus epistularum noch ein Corpus orationum bestanden habe. Durch die aufgefundene Correspondenz ist unsere Kenntnis um einige neue Titel frontonianischer Reden bereichert worden. Im ganzen kennen wir jetzt folgende verlorene Reden und zwar zunächst Senatsreden:

1) Mehrere Lobreden auf den Kaiser Hadrian; sunt orationes istae frequentes in omnium manibus (25).

2) Mehrere Lobreden auf den Kaiser Antoninus Pius, darunter eine designato, eine andere inito consulatu (105). Aus der ersten Rede teilt Fronto zwei Sätze in einem Briefe an Marcus (21) mit. Die zweite verschob er, weil er etwas möglichst Vollendetes und Bleibendes schaffen wollte, auf die Iden des August (25f.). Die fertige Rede (in dem Briefe an Lucilla 239 λόγος περὶ τοῦ μεγάλου βασιλέως, 241 ἐγκώμιον, σύγγραμμα genannt) übersandte er dem Kaiser, der dafür in den anerkennendsten Ausdrücken dankte (163f.). Marcus gar feiert voll Begeisterung Fronto wegen dieser Rede als decus eloquentiae Romanae 28f. (diesen Brief scheint Pseudo-Eumenius vor Augen gehabt zu haben, vgl. sein o. S. 1318f. angeführtes Urteil über Fronto). In derselben pries Fronto nicht blos den Kaiser, sondern in grosser Ausführlichkeit auch Marcus (29. 105. 241), ferner Lucilla (241) und Faustina (164, wahrscheinlich die jüngere, die Gattin des Marcus, nicht die 140/141 verstorbene Gattin des Pius, vgl. Mommsen 203f.). Lobreden auf Pius waren Fronto eine trita et assidua (assueta Cornelissen) materia 163; sonach darf man annehmen, dass er ausser den erwähnten zwei noch manche andere gehalten hat. Ob freilich aus Ps.-Eumenius a. O. eine besondere Rede de victoria Britannica, in der Fronto den Kaiser zu dem Siege über die Britanner im J. 140 beglückwünscht hätte, mit Mai, dem Meyer und Naber folgen, herauszulesen sei oder der Panegyriker vielmehr mit der laus belli in Britannia confecti auf einen Abschnitt in einer der genannten Reden hingewiesen habe, muss dahingestellt bleiben.

3) Gratiarum actio in senatu pro Carthaginiensibus, wahrscheinlich nach dem Brande des Forums in Karthago (Hist. aug. Ant. Pius 9) aus dem J. 153 (Meyer). Unverständliche Reste dieser Dankrede hat Mai in einem palatinischen Palimpsest gefunden (mitgeteilt bei Naber 260f.).

4) Für eine Senatsrede möchte Schanz R. Litt.-Gesch. III 76 Frontos Rede gegen die Christen (als oratio ausdrücklich bezeichnet bei Minuc. Fel. Oct. 9, 6) halten: sie scheint jedoch mehr eine Declamation gewesen zu sein. Über diese Schrift vgl. Aubé Hist. des persecutions de l’église. La polémique païenne à la fin du second siècle, Paris 1878, VIIf. 74–104. Danach ist Fronto der erste heidnische Schriftsteller, der die Feder gegen das Christentum geführt hat. [1329] Den Anstoss zu der Schrift mag ihm das Bedürfnis, vor Abgang in seine Provinz Asia (um 155) auch der Frage der Christenbehandlung, die damals in Asien besonders brennend war, näher zu treten, gegeben haben. Leichtgläubig machte er sich die ungeheuerlichsten Verleumdungen, die bei der kritiklosen Masse gerüchtweise circulierten, zu eigen (Min. Fel. a. O.). Sein Material verarbeitete er zwischen 155 und 165 zu einer Deklamation, die im allgemeinen mehr den Charakter einer Invective und Satire (convicium) als den einer ernsten kritischen Studie hatte (Min. Fel. 32, 2). Der Hypothese von M. Schanz (Rh. Mus. L 1895, 114ff.), dass im Octavius des Minucius, den Aubé 81ff. geradezu für eine pièe de l’école de Fronton hält (vgl. auch Mai 1815, LVIII 4), das Plaidoyer des Cirtensers Caecilius für den Polytheismus und gegen das Christentum im wesentlichen die Argumente seines Landsmannes Fronto wiedergebe, unterliegt ernstlichen Bedenken, vgl. C. Weyman Beil. d. Allg. Zeit. 1895 nr. 120. Nach unserer Kenntnis von dem Geiste und Charakter Frontos waren es nicht weitgehende staatsmännische Erwägungen, nicht religiöse Intoleranz oder gar Fanatismus, die ihm die Feder in die Hand drückten, um die staatsgefährliche Secte zu befehden und ihre Anhänger der blutigen Strenge der Gerichte zu überantworten, sondern einzig das Bedürfnis, in einer schönen Declamation auszuführen, wie wenig die altbewährte Nationalreligion von dem lichtscheuen, nach seiner Ansicht völlig aussichtslosen Treiben der fremden Neuerer zu fürchten habe. Vielleicht durch Frontos Schrift veranlasst, überreichte Melito, Bischof von Sardes († um 175), dem Kaiser Verus, qui Frontonis oratoris discipulus fuit, einen liber pro Christiano dogmate (Hieron. de vir. ill. 24). Auch könnte aus dieser Schrift Frontos das Fragment bei Isid. orig. XV 2, 46 herrühren (Westermann 313). Von Gerichtsreden sind uns bekannt:

5) Eine Rede für die Bithyner (oratio Bithyna 183; pro Bithynis 184). In dieser Rede mit Conjecturalstatus suchte Fronto die Anschuldigung mandatae caedis zu widerlegen. Die Ausführung war teilweise der in Ciceros Rede pro Sulla nachgebildet. Bei einer späteren Überarbeitung machte Fronto manche Zusätze, so besonders bezüglich der acta vita (183f.).

6) Eine Rede für die Bewohner von Ptolemais in Cyrenaica, citiert von Charis. 138, 11 K.

7) Mehrere Verteidigungsreden für Saenius Pompeianus (Landsmann Frontos?), vgl. 86.

8) Eine Rede für Demo(n)stratus Petilianus (aus Cirta? Mai 1815, LV). Als er von Marcus, dem Fronto die Rede zuerst überreicht hatte, erfuhr, dass Asklepiodotos, den er in derselben angriff, bei Verus beliebt sei, hätte er sie am liebsten vernichtet, aber sie war bereits in den Händen zu vieler Leute; so hofft er denn, dass es ihm mit Asklepiodotos ähnlich gehen werde, wie mit Herodes Atticus, der summus (d. i. amicissimus) nunc meus, quamquam extet oratio (111. 138). Gemeint ist die

9) Anklagerede gegen Herodes Atticus. Sie fällt nach September 143 und vor 145. Marcus, der auch des Herodes Schüler war, legte grosses [1330] Gewicht darauf, dass die zwischen seinen Lehrern schwebende Streitsache in möglichst schonender Weise erledigt werde. Auf seine Vorstellungen hin (40f.) versprach Fronto, Marcus zuliebe über alles, was nicht gerade zur Sache gehörte, also de moribus et cetera (Herodis) vita zu schweigen und jede persönliche Gereiztheit möglichst zu unterdrücken, so schwer es auch fiele, da die Sache (homines crudeliter verberati et spoliati, unus vero etiam occisus etc.) das Innerste heftig erregte (42f. 44).

10) Eine Rede gegen Pelops (den Niebuhr für den von Aelius Aristides und Galenos erwähnten berühmten Arzt halten möchte, Ausg. XXX). Nach Apoll. Sid. epist. VIII 10, 3 übertraf Fronto in dieser Rede sich selbst.

11) Ein grösseres Fragment einer Rede (?), die wir nach dem Vorgange Mais kurz de testamentis transmarinis betiteln wollen, findet sich in einem Briefe des Marcus an Fronto 14–17. Naber XXXII verweist dasselbe in die Rede pro Bithynis. Niebuhr nahm an, es liege eine Parteischrift vor, welche Fronto als Patron der Kilikier (169) in der vereinzelten Erbschaftsangelegenheit eines Kilikiers dem Pius überreicht und hinterher seinem Zöglinge Marcus als ein oratorisches Musterstück zur Kenntnisnahme mitgeteilt habe (vgl. auch Philibert-Soupé 29ff., und über die unzulängliche Lösung der dort behandelten Rechtsfrage Dirksen a. O. 247f. 276ff.).

Von Eckstein und Meyer (vgl. auch Philibert-Soupé 31ff.) wird nach Mais Vorgange unter den Reden noch aufgeführt (12) de hereditate Matidiae. Sie erblicken in der Zuschrift Frontos an Marcus 37f. die Bruchstücke einer förmlichen Rede. Dieser Ansicht kommt scheinbar die Thatsache zu statten, dass in dem Antwortschreiben des Marcus 39 Frontos Ausführung eine oratio genannt wird. Da jedoch Fronto selbst 183 diesem Schriftstücke die Bezeichnung litterae gegeben, so haben wir es gewiss nur mit einem gutachtlichen Schreiben zu thun (über den fraglichen Beerbungsfall vgl. Dirksen 248–252; s. auch o. nr. 11). Die Rede endlich (13) für die Bewohner von Nuceria (der Metropolis von Cirta), erwähnt von Fulgentius a. O., wird von Lersch (Ausg. d. Fulgent.) und Meyer als Erfindung des Fulgentius mit Recht angezweifelt. Dass Fronto noch in vielen andern Processen thätig war, versteht sich von selbst; er selbst erzählt uns in dem Briefe ad Anton. Pium 169, dass er in dem Jahre, in dem er das Proconsulat antreten sollte, duas amicorum causas non minimi laboris vor Pius verhandelt habe; vgl. auch 83, 21. 201, 17. Cass. Dio LXIX 18.

Sind uns auch ganze Reden von Fronto nicht erhalten, so können wir uns doch aus den Briefen ein Bild von dem Redner machen, an dem ein neuer Fund wenig ändern würde. Denn was er in seinen Briefen seinen Schülern und Freunden ans Herz legt, das wird in erster Linie für ihn selber massgebend gewesen sein, wenn sich auch Theorie und Praxis durchaus nicht immer bei ihm decken. Die über seine Briefsammlung zerstreuten Bemerkungen über die Beredsamkeit hat, nachdem bereits Philibert-Soupé 98ff. Ansätze zu einer solchen Untersuchung gemacht hat, sorgfältig gesammelt und zu einer Art institutio [1331] oratoria vereinigt Droz De M. C. F. institutione oratoria, Pariser Thesis, Besançon 1885 (mir bekannt durch Burkhard Jahresber. LXXXIV 1895, 192–195); er handelt S. 13–34 de eloquentia in universum considerata, 35–54 de inventione, de dispositione, 55–85 de elocutione. Die Züge eines festbegründeten Systems sucht man in Frontos Briefen vergebens; er lobt die Beredsamkeit mehr, als dass er sie lehrte; im Grunde beschränkt er sie auf die Auswahl der Worte. Seinem Unterrichte legt er die Rhetorik des Theodoros (46. 159), vermutlich des bekannten Gadareners, zu Grunde. Seine Terminologie ist im ganzen die allgemein übliche (vgl. 150. 14. 54. 146. 184. 212. 247). Aus der Lehre von der inventio verdient als eigenartig hervorgehoben zu werden, dass er in Anlehnung an seinen Lehrer Athenodotos (s. o.) die εἰκόνες bevorzugt (45ff. 73. 97. 241; eine reine Musterkarte von εἰκόνες giebt er uns in dem griechisch geschriebenen Briefe 239–242, den er selbst mit den Worten schliesst: παύσομαι μηδὲν ἕτερον γράφων ἀλλ’ ἢ εἰκόνας); er schöpft sie aus denselben Quellen, aus denen man die argumenta zu entnehmen pflegte (46, aus den loci communes) und verwendet sie grösstenteils auf Kosten der notwendigen argumenta. Auch für die Auswahl der Wörter müssen die loci communes herhalten (139f. 159). Um die Geschicklichkeit im Erfinden zu vermehren, empfiehlt er als geeignete Übungen Übersetzungen aus dem Griechischen (154), Variierung desselben Gedankens, besonders der γνῶμαι (48f. 92f. 106. 151; Verzeichnis von γνῶμαι bei Schwierczina 9), Aufsuchen synonymer Ausdrücke (151. 154), Bildung von imagines (45ff. 151), Behandlung von Gemeinplätzen (92f.), Ausarbeitung von controversiae in utramque partem (76. 82ff.), ja selbst das Versemachen (24. 34. 49. 253). Die Vorschriften über die dispositio enthalten nichts Neues. Weitaus den breitesten Raum nehmen in seiner Correspondenz die Vorschriften über die elocutio ein, in die er den Schwerpunkt der Beredsamkeit legt. Er verbreitet sich über die Wahl und Stellung der Worte (vgl. 64ff. 96ff. 139ff. 146. 152f. 158ff.), über den Wohlklang, die Kunstmittel, diesen zu erhöhen (annominatio, homoioteleuton), die Figuren oder figurationes, wie er sie gewöhnlich nennt (150f. 98ff. 107f. 146; dabei lässt er irrtümlicherweise die Tropen und Figuren zusammenfallen, oder vielmehr er rechnet die Tropen zu den Wortfiguren 181; dazu Volkmann Rhetorik² 416). Was den Wortschatz anlangt, so hält Fronto (wie Celsus) Neubildungen von Wörtern für unerlaubt (162. Volkmann 414; in Wahrheit fehlte es ihm an Geist, um neue Wortbilder zu schaffen; doch begegnen Worte und Wendungen, die, soweit wir wissen, vor Fronto nicht gebraucht worden sind, s. die Sammlung bei Klussmann Emend. Front., Berlin 1874, Excurs II 75f., ergänzt durch Schwierczina 37f.). Da nun aber das Alltägliche und Gebräuchliche als Gemeingut bei der Menge keinen Eindruck mache und auribus serviendum (159. 20f.) Hauptaufgabe des Redners sei, so verweist er ihn auf den Sprachschatz der älteren Litteratur (50. 161), und da von der Zeit Ciceros ab eine gewisse Nachlässigkeit und Sorglosigkeit in der Auswahl und Stellung der Worte eingerissen sei, [1332] so empfiehlt er Rückkehr zu den vorciceronianischen Mustern, die darauf, dass Wort und Begriff zusammenfielen, noch Wert gelegt hätten (62f. 161); nur dann hält er es für besser vulgaribus et usitatis quam remotis et requisitis uti, si partim significent (63. 152). Von einer Nachahmung der Alten erhofft Fronto eine Renaissance des Stiles, ja der römischen Litteratur überhaupt. Sie sind ihm kostbare Fundgruben eines sorgfältig gewählten Ausdruckes, aus ihnen macht er selbst und lässt er seine Schüler Excerpte machen (34. 49. 56. 105. 107 u. ö.), ihnen entlehnt er Worte, Wendungen, Verse, um damit seine Schriften aufzuputzen und ihnen ein altertümliches Colorit zu geben (151 f. 154. 99; eine Fülle von Entlehnungen enthält der Brief de fer. Als., vgl. Priebe II Stettin Progr. 1886, 1, 4). Zu seinen Lieblingsschriftstellern, deren Lectüre er auch seinen Schülern empfiehlt, zählen unter den Rednern Cato (fandi agendique laudibus longe praestantissimus omnium 203; Muster eleganter Anwendung der παράλειψις 98f.; von Marcus, der von ihm als seinem patronus 36 spricht, auf eine Stufe mit Demosthenes gestellt 28; vgl. noch 29. 32. 36. 62. 68. 69. 93. 105. 114. 129. 145. 149. Schwierczina 9ff. Priebe II 10f.), Sallust (wegen der in sein Geschichtswerk eingewobenen Reden 62; vgl. noch 49. 93. 105. 149) und C. Sempronius Gracchus (54. 56. 61. 105. 114), unter den Historikern die alten Annalisten (besonders Coelius Antipater 62. 104. 114. 253, Claudius Quadrigarius 114, weniger Valerius Antias, Fabius Pictor, Cornelius Sisenna 114. 62), Cato (114. 203) und vornehmlich Sallust (an dem er neben seinen Archaismen besonders die γνῶμαι 48, Antitheta und Paronomasien 107 bewundert; zumal in den princ. hist, und ad Ver. 119ff. zeigt Fronto Bekanntschaft mit dem Stile des Sallust, vgl. Niebuhr Ausg. 239. Schwierczina 15ff. 'Priebe II 11), unter den Dichtern in erster Linie Plautus (62. 224. Seyffert Philol. XXIX 1870, 398f. Studemund Epist. crit. XXXf., 1. Klussmann a. O. 78. Ehrenthal 36ff. Schwierczina 19ff. Priebe II 2ff.; besonders scheint der Pseudolus dem Fronto und Marcus gefallen zu haben, Priebe II 6, 51) und Ennius (62. 224. 149. 105. 114. Schwierczina 21. Priebe II 7), nächst diesen Lucrez (62. 224. 149. 105. 114. 148. Schwierczina 22. Priebe II 7f.), Accius (62. 224. 149. 54. 114), Naevius (62. 33. 27), Laberius (62. 19. 30. 150), Caecilius (62. 31. 237. 133. Schwierczina 22), endlich für gewisse Specialitäten Novius (62. 69), Pom-ponius (62), Atta (62), Lucilius (62. Priebe II 10). Der Name des Terenz wird bezeichnenderweise nie genannt, doch hat Fronto auch ihm, speciell seinem Phormio, manches entlehnt (Schwierczina 22f. Priebe II 2). Auch auf Excerpte aus Atellanen und Mimen weisen Spuren in Frontos Schriften (Priebe II 2). Besonderes Interesse erregt Frontos Verhältnis zu Cicero. Er will seine Schriften alle studiosissime gelesen haben (63) und hat für sich und seine Schüler eine kritische und commentierte Ausgabe ciceronischer Schriften angelegt (190). Er rühmt ihm Schönheit, Fülle und Schmuck der Rede nach (03. 114) und gesteht zu (107), dass er angemessene Figuren, besonders die ἐπαναφορά geschickt [1333] angewandt habe (Citat aus Cic. pro Cael.). Speciell die Rede pro Sulla und de imp. Cn. Pomp. hebt er gelegentlich lobend hervor (184. 221f.). Aber dem Antiquar steht Cicero nicht auf der Höhe, weil er sich in seinen Reden nicht um verba insperata atque inopinata bemüht habe (Gründe dafür 63). Diesen vermeintlichen Vorzug vermisst er am wenigsten in Ciceros Briefen, daher stellt er sie am höchsten (epistulis Ciceronis nihil est perfectius), macht aus ihnen Excerpte und empfiehlt sie seinen Schülern zum Studium (52. 107. 104f. 93. 114. 145. 149); aber nicht eine Stelle bei Fronto lässt sich mit Sicherheit als aus Ciceros Briefen entlehnt nachweisen (Priebe II 10). So hoch Fronto auch Cicero stellt, wenn er ihn zusammen mit Cato und Gracchus (114. 145. 125 summum supremumque os Romanae linguae) oder Cato und Sallust (149) oder allein hinter den Dichtern (224) aufführt, sympathisch war er ihm nicht; das fühlt man, das zeigt auch die etwas geringschätzige Anwendung des Wortes Tullianus 23. 25. 76. 98. Fronto braucht Cicero, um durch das hervorragende Ansehen seiner Beredsamkeit diese vor einer verächtlichen Behandlung durch die Philosophen zu schützen (145). Entlehnungen aus Cicero s. bei Schwierczina 30. Priebe II 12. Von den Schriftstellern der augusteischen Zeit nennt er kaum den einen oder andern; so wenig sagen diese Modernen seinem Geschmacke zu; doch hat er sie nicht völlig ignoriert und auch aus ihnen einiges wenige entlehnt, am meisten noch aus Vergil, dessen Name zwar in Frontos Schriften nirgends aufstösst, der jedoch nach Gell. II 26 dem Fronto poeta verborum diligentissimus war und bei den Frontonianern in hohem Ansehen stand (Valmaggi Quaest. Front., Ivrea 1889, VIIIf.); vgl. mit Bezug auf ihn Schwierczina 31. Priebe II 2. 8f.; mit Bezug auf Ovid. Priebe II 9; auf Horaz 23. 34 (17 ist nach Studemund XX Herodi filius natus zu lesen) Hertz Renaissance 47, 76; Analecta ad carm. Horat. hist. III Ind. lect. Breslau 1879, 4–5. Schwierczina 31. Priebe I 7. II 9f. Valmaggi Quaest. Front. 10–12; auf Livius Schwierczina 32f. Priebe II 11. 13. Novák Wien. Stud. XIX 1897, 251, 16. 253, 18. Unter den Schriftstellern der silbernen Latinität nimmt Tacitus eine Ausnahmestellung ein; zwar wird auch er nie genannt, doch ist er Fronto wohlbekannt. Auf eine offenkundige Entlehnung aus hist. IV 6 = de eloqu. 144 hat bereits Roth 8, 11 aufmerksam gemacht; vgl. zu derselben Stelle Mayor Journ. of class. and sacr. philol. I 1854, 20. Schneidewin Philol. X 1855, 321. Cobet Mnem. V 1856, 232; sonstige Anklänge bei Schwierczina 33. Priebe II 11. 13. Im übrigen verwirft Fronto die Litteratur dieser Zeit, die ihm welk und absterbend erscheint, 123. Den stärksten Widerwillen, der sich in den schärfsten Ausdrücken Luft macht, zeigt er gegen Seneca und seine Nachahmer, die, in ihrem Geschmacke durchaus modern, auf die antike Litteratur verächtlich herabsahen (Gell. XII 2, 1). An Seneca und Lucan tadelt er besonders, dass sie nicht müde würden, einen und denselben Gedanken in tausend Gestalten zu variieren, dabei hält er sich selbst von dem Fehler der Wiederholung durchaus nicht frei (157. Schwierczina 34, 1). [1334] Ironisch nennt er sich bei dunklen Wortgebilden einen Senecae Annaei sectator 224; vgl. auch o. S. 1321. Bei allem Streben, seinem Stile einen altertümlichen Anstrich zu geben, hat er sich von dem Einflusse seiner und der zunächst liegenden Zeit in seinem Sprachschatze nicht frei machen können (Schwierczina 36f.); seine Sprache erscheint vielmehr im wesentlichen als die der silbernen Latinität, nur barock und buntscheckig verziert mit allerhand archaischen Flittern. Danach mag dahingestellt bleiben, ob man mit Recht, wie vielfach geschieht, mit Fronto das Spätlatein beginnen darf. Fronto als den Urheber der archaisierenden Stilbewegung anzusehen, ist ein zuletzt von Valmaggi I precursori di Fronto, Ivrea 1887 berichtigter Irrtum (vgl. auch besonders Hertz Renaissance 19ff.). Die Vorliebe für das Alte bei Schriftstellern und Gelehrten ist als Reaction gegen die moderne Geschmacksrichtung in Poesie und Prosa im augusteischen Zeitalter gleichzeitig mit dieser entstanden und hat sich neben ihr bis auf Frontos Zeit ununterbrochen und, je mehr wir uns Fronto nähern, in immer deutlicheren und weiterverzweigten Spuren erhalten. Als den bekanntesten und berühmtesten Vorläufer Frontos hebt Valmaggi 17f. aus der Masse der Antiquare des 1. Jhdts. M. Valerius Probus aus Berytos heraus. Ihre höchsten Triumphe feierte diese Richtung in dem Zeitalter Hadrians, der selbst Cato dem Cicero, Ennius dem Vergil vorzog (Hist. aug. Hadr. 16). Ihr Hauptvertreter war damals Fronto; nach ihm nannte sich die Secte der Frontoniani, die noch lange nach Frontos Tode fortbesteht. Spätere Schriftsteller, besonders des 3. Jhdts. bilden sich weiter an den altclassischen Stilmustern des Fronto, den idonei (Gell. XI 6, 3), bevorzugen sie in ihren Schriften und erreichen damit Beifall bei ihren Zeitgenossen (näheres bei Valmaggi Quaest. Front. XIII–XV; bei Sidonius Apollinaris glaubt Spuren von Nachahmung Frontos zu entdecken Niebuhr Ausg. XXIII 5; bezüglich des Minucius Felix vgl. Mai 1815, LVIII 4 und Aubé 81ff.). Das Archaisieren beschränkte sich nicht auf die Auswahl der Worte, sondern erstreckte sich auch auf ihre Schreibweise (s. Ind. orthogr. bei Naber 277–282, worin auf Archaismen in der Schreibung hingewiesen ist; dazu Weissbrodt Quaest gramm. II, Lekt. Kat. Braunsberg 1872, 18f.), auf grammatische Formen und Constructionen. Unter den Gesichtspunkt des Archaismus gehören auch die Alliteration und die Figura etymologica (Ehrenthal 35–39). Über Frontos Sprachgebrauch und Wortschatz vgl. Ebert De M. C. F. syntaxi, Diss. Erlangen 1880 = Act. sem. philol. Erlang. II 1881, 311-354 (darin am Schlusse 350ff. Beispiele von Asyndeta, Ellipsen, Abundanz des Ausdrucks, Alliteration); dazu wertvolle Nachträge und Berichtigungen bei Besprechung einiger Stellen von Novák a. O. 242ff. Nachträge zu den Lexicis aus Fronto giebt Ebert Bl. f. d. bayr. Gymn.-Wes. XIX 1883, 527–530. Priebe a. O. zählt I 10ff. die Wörter auf, die Fronto in einer von dem sonstigen Sprachgebrauche abweichenden Weise verwendet hat, 12ff. die Wörter, die er aus dem Altlatein, besonders aus den Komikern und unter diesen vorzugsweise aus Plautus entlehnt hat, 17ff. die Wörter, die er mit Dichtern [1335] der früheren und späteren Zeit gemein hat, die jedoch von besseren Prosaschriftstellern nicht gebraucht werden. Ein Verzeichnis griechischer Wörter und Wendungen, die Fronto in seine Briefe einzustreuen liebte, findet sich bei Schwierczina 18f. (vgl. Fronto 12 und die Vorschriften über den Briefstil bei Iul. Vict. 448, 29f. H.), bei demselben eine Sammlung von Synonyma 58-61 und Deminutiva 61f.; vgl. ausserdem Klussmann Emend. Fr. 54 (über Parallelismus sich entsprechender Ausdrücke) und Excurse 73ff. Ehrenthal 27, 64 (Spielerei mit ähnlich klingenden Wörtern). Über ἄπαξ λεγόμενα s. o. S. 1331. Auch hybride Bildungen begegnen, wie Plautinotato 156; εἰκόνe Abl. 47; politia 53 (dazu Ehrenthal 17f.).

Bei einem Manne, der das Hauptgewicht auf den Kultus der Form legte und sich und seine Schüler in Sammlungen von Phrasen und stilistischen Übungen erschöpfte, wird man vergeblich nach bedeutenden Gedanken suchen. Nach den Proben seiner Correspondenz und den stilistischen Spielereien darf man sich von den Reden in dieser Hinsicht keinen allzu hohen Begriff machen. An der hervorstechendsten aller seiner Reden, zu der Fronto sich besonders viel Zeit nahm, der Dankrede inito consulatu, preist sein begeisterter Jünger Marcus in einem Schwall von Worten im Grunde nur die glänzende Form, 28. Wie mühselig wird der Wortkünstler an dieser Rede herumgefeilt, wie gründlich seinen aus veralteten Autoren zusammengetragenen Hausrat ausgekramt haben, um ihr colorem vetusculum adpingere, wie zierlich wird er die Worte gestellt, wie emsig Sentenzen und Gleichnisse zum Ersatz für Argumente, Figuren, Synonyma, gleich klingende und gleich auslautende Wörter gesucht haben! Im übrigen wird die Rede so gedankenarm gewesen sein, wie seine meisten Briefe. Woher sollte auch Fronto bedeutende Gedanken genommen haben? Der Kreis seines Wissens und Könnens war sehr beschränkt. Mag er sich auch mit mancherlei Künsten und Wissenschaften beschäftigt haben, nirgends ist er tiefer in ihr Wesen eingedrungen. Blos oberflächlich und widerwillig beschäftigt er sich mit griechischer Sprache und Litteratur. Wie wenig wir von seinen juristischen Äusserungen zu halten haben, ist von Schrader Krit. Ztschr. f. Rechtswiss. I 2 (1826), 140-142 und besonders von Dirksen a. O. 243–253. 276–280 dargelegt worden. Über die Art seiner Geschichtschreibung haben uns die principia historiae zur Genüge aufgeklärt. Überall ist er Rhetor, nichts als Rhetor. Die ‚göttliche‘ (174) Philosophie vollends verwirft er als unfruchtbar und zwecklos (139–155. 174. 184); er beschränkt ihr Gebiet auf engste, fast nur auf das Spiel mit Syllogismen, Trug-und Häufelschlüssen (114. 146. 154); er macht sich lustig über die Geschraubtheit der Sprache der Philosophen, durch die jeder erhabene Aufschwung verkümmert würde (148), und ihre Dunkelheit, durch die ihre Jünger gezwungen würden, ihr Leben lang in Abhängigkeit von ihnen zu leben (152). Besonders auf die Vertreter der Stoa hat er es abgesehen (184. 227. 155ff.). In der Stufenfolge der Lectüre, die er dem mit Vorliebe philosophischen Studien obliegenden Kaiser Marc Aurel vorschlägt 221, konnte er füglich die [1336] praecepta sapientium nicht übergehen, er setzt sie aber an letzter Stelle hinter orationes, poemata, historiae und überlässt es dem Kaiser, zur Abwechslung auch Syllogismen aufzulösen, indem er mit Bitterkeit hinzufügt, si perpeti potes. Der einzige Platon findet Gnade vor ihm (vgl. u. a. 176), aber Platon ist auch hervorragender Stilist; aus demselben Grunde lässt er sich Iulius Aquilinus, den Platoniker und Redner, gefallen (176f.). So sehr er alle Vorzüge an seinen kaiserlichen Schülern schätzt, die höchste und ureigenste Freude bereitet ihm ihre Beschäftigung mit der Beredsamkeit; seine Freude kennt keine Grenzen, wenn er Spuren seiner secta in ihren Reden wiederfindet (95). So sehr ist ihm die Kunst der Rede das Höchste im Leben, der verus imperator generis humani (122. 128. 141f. 175). Es ist als wäre in der Welt nichts der Rede wert als eben die Rede selbst. Verba venditat et voces et praeterea nihil, sagt nicht mit Unrecht Naber III von Fronto. Unter solchen Umständen kann man die allgemeine Enttäuschung verstehen, die nach Herausgabe des Maischen Fundes überall Platz griff. Man hatte eine bedeutende Bereicherung vieler Wissensgebiete erwartet und ging nun fast überall leer aus. Relativ den meisten Gewinn trug noch die Sprach- und Literaturgeschichte davon. Abgesehen von den genaueren Aufschlüssen über das Leben und Wirken Frontos, waren die Briefe dreier Kaiser, der Brief Appians, Fragmente des Theodoros (von Gadara), Reste aus der archaischen Litteratur der Römer, wie das längere Fragment aus Cato de sumtu suo 99f. und das kurze aus der sonst nirgends citierten Rede desselben gegen Lepidus 223 immerhin bemerkenswert. Der Brief an Verus 126 enthält das wichtigste Zeugnis über die fast verschollene politische Gelegenheits- und Tendenzschrift des Q. Lutatius Catulus über sein Consulat (Jordan Herm. VI 1872, 68–81). Auch hat eine Vergleichung des Palimpsestes für die Auszüge Frontos aus Sallusts Bella 108–111 durch Hauler Rh. Mus. LIV (1899) 161–170 ergeben, dass ein Leitcodex für die Textesrecension der Bella nicht ausreicht, dass diese vielmehr auf eine breitere Basis gestellt werden müsste, da unser Sallusttext trotz der im grossen und ganzen bestätigten Zuverlässigkeit unserer besten Hss. doch von Umstellungen und kleineren Auslassungen oder Zusätzen nicht frei ist. Auf dem von Fronto mit besonderer Liebe angebauten Felde der Rhetorik hätte man eine ergiebigere Ausbeute erwarten können; als neu und eigentümlich hebt Droz hervor, dass sie ,den Redner von jeder Gelehrsamkeit ausschliesse und ihn bei Vernachlässigung oder Entstellung der Inventio in die Elocutio wie in eine Stampfmühle stosse‘ (Burkhard 195). Die Rechtskunde fand wenig Gewinn (vgl. Schrader und Dirksen a. O.), am wenigsten die Philosophie, und die Geschichte suchte vergebens nach neuen Thatsachen, ausgenommen etwa die sonst nirgends überlieferte Niederlage römischer Heere in Britannien unter Hadrian (218). Aber das Bild, das man sich von der Zeit der Antonine und besonders von dem Philosophen auf dem Kaiserthrone gemacht hatte, wurde in vielen Punkten ergänzt und nicht unwesentlich berichtigt. Was diese Zeit besonders charakterisiert, die Überschätzung der Rhetorik [1337] verbunden mit dem thörichten Bemühen, das Alte und Vergangene in Sprache und Litteratur neu zu pflanzen in der Gegenwart, tritt wohl nirgends so deutlich hervor, als in Frontos Schriften (Roth 5ff.). Wie arm an Geist und Geschmack muss eine Zeit gewesen sein, in der ein Fronto trotz seines mediocre ingenium (184) und beschränkten Wissenskreises eine führende Rolle spielen konnte! Aus diesem Gesichtswinkel betrachtet, ist Frontos Briefwechsel allerdings ein kostbarer Schatz für den Historiker. Nach dem Gesagten steht das Urteil über Fronto ziemlich fest. Er mag immerhin ein vortrefflicher Mensch (homo optimus nennt ihn Marcus 55) und tüchtiger Erzieher gewesen sein. Als Rhetor hat er den Ruf, dessen er sich erfreute, nicht verdient; ein neues System hat er nicht begründet, und das wenige Eigentümliche in seiner institutio oratoria (s. o. S. 1331) bedeutet einen Rückschritt in der Geschichte der Rhetorik; er war vielmehr kleinlicher Grammatiker (besonders 64–66), minutieux éplucheur de mots (Aubé 75) und Antiquar. Als Redner hätte er bei der einseitigen Bevorzugung der Form zu anderer Zeit und unter andern Verhältnissen nie die Berühmtheit erlangt, die er thatsächlich bei seinen Zeitgenossen und wenigstens eine Zeit lang selbst bei einem so besonnenen Manne wie Marc Aurel genoss, auch wenn ihm ein vorzüglicher Vortrag (44. 188) eigen gewesen sein sollte. In der Folgezeit war das Urteil über den Redner Fronto keineswegs geklärt; die einen (s.o.) rühmten ihm gravitas (vgl. dazu Boissier 697) nach, andere empfahlen seine pompa (vgl. Fronto 55), wieder andere machten ihn zum Vertreter des siccum genus dicendi. Vielleicht wies er in den verschiedenen Redegattungen einen verschiedenen Stil auf; in seiner Correspondenz überwiegt jedenfalls den Pomp und Schwulst, der uns zuweilen an die Schreibweise der Declamatoren beim Rhetor Seneca und an die seiner africanischen Landsleute erinnert, weitaus Dürre und Nüchternheit. Die Neuzeit hat, nachdem Mai den von ihm zuerst ans Licht gezogenen Schriftsteller in einer leichtverständlichen Voreingenommenheit in jeder Hinsicht weit über Gebühr gefeiert hatte (1815, XXXVff.), von Niebuhr bis auf unsere Tage über den Redner Fronto fast durchweg ungünstig, zuweilen zu hart geurteilt (vgl. z. B. Niebuhr Kl. Schrift, I 326. II 56. Roth 4. Westermann 311. Eckstein a. O. Bernhardy 783f. Madvig Advers. crit. II 613. Herwerden Mnem. I 1873, 294. PriebeI 2. Teuffel-Schwabe 891. Schanz 81–84).

Die Schriften Frontos sind uns überliefert in einem Codex rescriptus oder vielmehr ter scriptus des Klosters Bobbio, von dem der grössere Teil in die Ambrosiana, der kleinere in die Vaticana gekommen ist. Er enthält die Acten des Concils von Chalcedon vom J. 451; die Schrift scheint auf das 7.–8. Jhdt. hinzuweisen. Ausser Fronto hatte man zum Rescribieren verwendet Reden des Symmachos, Schol. Bob. zu Cicero, gothische Fragmente, einen Tractat über die arianische Haeresie, ein Fragment von Persius und von Iuvenal, einen Teil des Panegyricus von Plinius. Unter dem Frontotext, umgekehrt zur Frontoschrift und parallel zur Concilhand erkannte Hauler auf einer von ihm entzifferten Seite über [1338] Hadrians Thätigkeit jüngst noch ältere Zeichen, in denen er eine Schrift (vielleicht Rede) Hadrians mit aller Reserve vermutet (Philol. Vers. Köln 1895, 85). Der Frontocodex gehört ins 6. Jhdt. (Mai 4., Niebuhr Anfang des 7. Jhdts.); der Schreiber war ein Mönch (Naber 248, 2), ein Römer, wie aus den griechischen Proben hervorgeht (Niebuhr XXXVI). Die Gesamtzahl der Blätter betrug 340, davon sind 141 in Mailand, 53 in Rom vorhanden, 146 verloren; von den erhaltenen 194 Seiten harren viele noch der vollständigen Entzifferung. Für die Textverbesserung ist festzuhalten, dass die Columne 24 Zeilen zu 15–20 Buchstaben, also im ganzen höchstens 480, die Seite höchstens 960 Buchstaben enthielt. Einige Briefe werden zweimal überliefert (Naber 239. 243f. 252). Unmittelbar nach der Niederschrift wurde der Codex von einer zweiten Hand emendiert, die nicht blos die eine oder andere bemerkenswerte Sentenz am Rande wiederholt oder etwas seltenere Wörter herausgeschrieben oder Urteile über das, was im Texte stand, hinzugesetzt, sondern auch an 14 Stellen Varianten anderer Hss. angeführt hat (Ehrenthal 16f. 49). Der Name des Correctors Caecilius, den Mai am Ende des 3. Buches ad Marc. Caes. 57 gelesen haben will, ist jetzt gänzlich unsichtbar; Mai denkt an den Grammatiker Caecilius Vindex (Naber 57, 6). An der Ergänzung der Subscriptio Caecilius s(ae)pe (r)ogatus legi emendavi nimmt Jahn Ber. sächs. Gesellsch. 1851, 360f. Anstoss; er vermisst einen weiteren Namen oder Titel. Havet Rev. philol. X 1886, 189 schlägt vor Caecilius pr. pr. (= praefectus praetorio) togatus und verweist für togatus auf Mommsen Röm. Feldm. II 175, 39. Über den Zustand und die Collationen der Hs. vgl. Niebuhr, der die zerstreuten Bemerkungen Mais gesammelt hat, XXXIVff. Naber IX–XX. Studemund Epist. crit. Hauler Philol. Vers. Köln 78–86. Eine Schriftprobe des Cod. Vatic. 5750 pag. ult. findet sich bei Zangemeister-Wattenbach Exempla cod. lat. Taf. 31. Die Mailänder Stücke veröffentlichte zuerst Mai Mailand 1815 in 2 Bdn. (Abdruck Frankfurt a./M. 1816). Eine neue besser angeordnete und vielfach verbesserte Ausgabe derselben besorgte unter Mithülfe von Buttmann und Heindorf Niebuhr, Berlin 1816. Bald fand Mai in der Vaticana die anderen Bruchstücke der Hs. und veröffentlichte sie mit den alten in einer neuen wesentlich besseren Ausgabe, Rom 1823 (1846²; besonderer Abdruck Celle 1832). Eine vortreffliche Chrestomathia Frontoniana von Orelli findet sich hinter seiner Ausgabe des taciteischen dial. de or. Zürich 1830. 115–173. Auf Grund einer neuen Collation seines Landsmannes Du Rieu gab Naber eine neue Recension des Fronto, Leipzig 1867, heraus (über dieselbe Klussmann Diss. 7. 19ff. Schwierczina 47–49 Anm. l. Ehrenthal 5, 29). Bald darauf wurde der Palimpsest von Studemund musterhaft verglichen, freilich nur 60 leichter lesbare Seiten des Ambrosianus; die gewonnenen Resultate hat er in der Epist. crit. ad Klussmannum vom J. 1873 veröffentlicht. Neuerdings hat sich Hauler der mühsamen Entzifferung der Hs. im Sinne und Geiste Studemunds unterzogen; als Probe seiner Untersuchung der Frontoreste erschien [1339] Seite 251 des Palimpsestes = princ. hist. 205f. N. in den Serta Hartel. 263–269 u. Philol. Vers. Köln 81–85; im Rh. Mus. a. O. folgte eine Nachvergleichung der Sallustexcerpte 108–111 N. Studemunds und Haulers Collationen haben erwiesen, dass Mais und auch Du Rieus Vergleichung der Hs. ungenau, unzuverlässig und unvollständig ist. Mit begreiflicher Spannung sieht man daher der von Hauler vorbereiteten Neuausgabe des Fronto entgegen. Eine französische Übersetzung aus Mais vollständiger Ausgabe mit dem lateinischen Texte und Anmerkungen von Armand Cassan erschien Paris 1830 in 2 Bdn. Die griechischen Briefe hat Mai in seiner Ausgabe ins Lateinische, einige Briefe aus der Correspondenz mit Marcus E. Müller a. O. ins Deutsche übersetzt. Die Fragmente der Reden sind zusammengestellt bei Meyer Orat. Rom. frg.², Zürich 1842, 609–617. Naber 260–264. Da in der Naberschen Ausgabe die kritischen Beiträge vor 1867 weder vollständig noch gewissenhaft benützt worden sind, erscheint es angemessen, die betreffende Litteratur seit Mai in möglichster Vollständigkeit folgen zu lassen: Cramer und Bekker (letzterer für die griechischen Stücke) in Niebuhrs Ausg. 293–295. Eichstädt M. C. F. operum nuper in lucem protractorum notitia et specimen, Jena 1816. Heinrich Auctarium emendationum in F. reliquias ex nupera editione Berolinensi, Kiel 1817. Anonymus Jen. Litt. Ztg. 1817, 162ff., bes. 173ff. Jacobs in Wolfs Litterar. Analekten I, Berlin 1817, 108–127. 246–250; Z. f. Alt.-Wiss. V 1838, 1019–1027. Kessler De locis, qui in F. epistolis .... litura corrupti deprehenduntur, probabili coniectura sarciendis, Rossleben Progr. Klostersch., Leipzig 1828. Lobeck Aglaoph., Königsberg 1829, 707. Orelli a. O. Schopen Emend. Front, Progr. Bonn I 1830. II 1841. Haupt Ausg. v. Ovid Halieut., Leipzig 1838, 40; emend. Propert. Ind. lect., Berlin 1856, 9 = Opusc. II 108f.; analecta Herm. I 1866, 23f. 33 = Opusc. III 316f. 326f.; de emend. libr. F. Ind. lect., Berlin 1867 = Opusc. II 346–357; coniectanea Herm. VI 1872, 388. VIII 1874, 15. 178 = Opusc. III 563. 616. 619f. Alanus Coniecturae animadversionesque crit. in F. . . . reliquias, Dublin 1841; observationes in loca (!) aliquot Cic. Accedunt in Caes., F. (22f.), Gell., Plin. nonnulla, Dublin 1863; observationes in F. nuperrime Lips. editum, Dublin 1867. Hildebrand Ausg. d. Apuleius, Leipzig 1842, s. Index II 719. Schäfer De loc. nonnullis Cic., Plin., Front., Festschr. d. Vitztumschen Gymn. Dresden 1844, 12-16, teilweise wiederholt Philol. XXVI 1867, 574f. Jahn Rh. Mus. III 1845. 156; Philol. XXVIII 1869, 7. Borghesi s. oben S. 1322. Vahlen Cn. Naev. de bello Pun. rel., Leipzig 1854, 6f.: Z. f. öst. Gymn. XIX 1868, 10; Herm. X 1876, 458. Mützell Z. f. Gymn.-Wes. XIII 1859, 640. Lachmann Ausg. d. Lucrez, Berlin 1860, 264. 405. Mähly Philol. XVII 1861, 176–178. XIX 1863, 159–161. Riese Jahrb. f. Philol. LXXXXI 1865, 146. Usener ebd. 267-268. C. F. W. Müller Rh. Mus. XX 1865, 156; krit. Bem. zu lat. Pros., Progr. Landsberg a. d. W. 1865 (darin F. 8f.); Jahrb. f. Philol. LXXXXIII 1866, 487–491. CVII 1873, 350. Hertz Jahrb. [1340] f. Philol. LXXXXIII 1866, 579f.; vindic. Gell. alt. = Jahrb. f. Philol. Suppl. VII 1873, 23, 52. 53; de ludo talario (wofür F. 160 wichtige Quelle) Ind. lect. Breslau 1873, 11, 2; Rh. Mus. XXIX 1874, 367. Dilthey Ann. d. Inst. XXXIX 1867, 176, 2. L. Müller Jahrb. f. Philol. LXXXXV 1867, 752. Ellis Journ. of philol. I 1 (1868) 15–20. Wordsworth ebd. I 2, 160. E. Klussmann Philol. XXVII 1868, 240. Kiessling (= Anonymus) Philol. Anz. I 1869, 60f., in Studemunds Epist. crit. XXXIII; bei Priebe I 13. II 6, 48. Leutsch Philol. XXX 1870, 176. Eussner Rh. Mus. XXV 1870, 541-547; Litt. Centralbl. 1871, 1085f.; Jahrb. f. Philol. CVII 1873, 522f. CXI 1875, 766; Bl. f. d. bayr. Gymn.-Wes. XXIV 1888, 75f. Ribbeck Trag.² praef. LXX; Com.² 117. R. Klussmann Emend. F. part., Diss. Götting. 1871, Vorläufer zu d. Emend, F., Berl. 1874, mit Studemunds Epist. crit. vom J. 1873; Jahrb. f. Philol. CIX 1874, 636–638; Tulliana, Progr. Gera 1877, 3; Curae Africanae, Progr. Gera 1883, 3–7. O. Hirschfeld in Studemunds Epist. crit. XXXII. Bücheler Jahrb. f. Philol. CV 1872, 565; in Ribbecks Com.² 271. Bährens Jahrb. f. Philol. CV 1872, 632–634. Jordan a. O. Reinhardt De retract. fab. Plaut., Diss. Greifswald 1872, thes. 3. Madvig Advers. crit. II Kopenh. 1873, 613–616. Cornelissen Mnem. N. S. I 1873, 91–96. XIII 1885, 115–134. van Herwerden ebd. I 293f. Cobet ebd. I 305. Naber ebd. II 1874, 225–227 (unter Benutzung einer Collation Kiehls). XXIV 1896, 396. Horcher Herm. IX 1875, 255. Schenkl Z. f. öst. Gymn. XXVI 1875, 30-34. Ebert a. O. Appendix 355–357. Ehrenthal 1-30. Georges Jahrb. f. Philol. CXXIII 1881, 807; Jahresber LV 1888, 240. Schwierczina 40-57. Wölfflin Arch. f. Lexic. II 1885, 10. Volkmann Rhetorik², Leipz. 1885, 318. 416. Desrousseaux Rev. philol. X 1886, 149–154 (das Citat XVI 159 bei Teuffel-Schwabe 896 für eine zweite Abhandlung D.s ist falsch). Novák Listy filol. a paedag. XIII 1886, 17f. 202–207; Wien. Stud. XLX 1397, 242–257. Fröhner Philol. Suppl. V 1889, 49–52. Schanz Litt.-Gesch. III 84 Anm. Hauler a. O.

Über Fronto im allgemeinen vgl. Mai Comment. praevius im I. Bd. s. Ausg. 1815, I–CXII; De edit. princ. Mediol. frg. Cic. atque operum F. comment., Mailand 1817. 11ff. Eichstädt a. O. III–VIII. Niebuhr Einl. z. s. Ausg. XIX–XXXVIII; Kleine hist. und philol. Schriften, erste Samml., Bonn 1828, 325ff.; zweite Samml.. Bonn 1843, 52–72. Roth Bemerkungen üb. d. Schr. d. M. C. F. u. üb. d. Zeitalter der Antonine, Nürnberg 1817. Bahr Röm. Litt.-Gesch. II⁴ 623ff. 536fff. Westermann Gesch. d. Bereds. II 310–314. Eckstein in Ersch u. Gruber Encycl. I 51 (1850) 442–446. Philibert-Soupé De Frontonianis reliquiis, Paris. Thes., Amiens 1853. Bernhardy Röm. Litt.-Gesch.⁴ 318–322. 783f. 788. Hertz Renaissance und Rococo in d. röm. Litt., Berlin 1865, bes. 6ff. 26ff. Teuffel-Schwabe Röm. Litt.-Gesch.⁵ 891–897. 910–912. Schanz Röm. Litt.-Gesch. III 75-85.
[Brzoska.]

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